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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bereits in der letzten Woche haben die Medien die UFO-Kritik aus der Rede auf der Lufthansa Hauptversammlung aufgrund der Vorstandsgehaltserhöhungen aufgenommen (wir haben über die sozialen Medien berichtet). Auf mehrfachen Wunsch, veröffentlichen wir nun heute die gesamte Rede, die von Jens-Ulrich Stark (Ressort Tarifpolitik und Leiter Finanzen bei UFO) gehalten wurde.

Weiterhin ist am Ende der Rede eine Frage an Herrn Spohr gestellt worden. Seine Antwort und das Fazit der UFO aus dieser Antwort, findet Ihr ebenfalls zum Nachzulesen.

viele Grüße
Eure UFO

 

Rede Jens-Ulrich Stark, UFO auf der HV der DLH am 28.4.2016

 

Sehr geehrter Herr Spohr, sehr geehrte Vorstände, sehr geehrte Aufsichtsräte, sehr geehrte Aktionäre,

die Engel müssen Carsten Spohr Fans sein. So wie Häusle-Bauer nicht fassen können, dass sie für 1,2 % Immobilienkredite bekommen, so können Airline-Manager kaum fassen, dass es einen Öl Preis von 30-40 $ gibt. Der historisch niedrige Ölpreis beschert Ihnen eine ungeplante Ergebnisverbesserung nach der anderen und ermöglicht Ihnen die Spielräume, die Sie benötigen um im Hause Lufthansa längst überfälligeInvestitionen zu tätigen. Diese Analyse des Erfolgs scheint im Übrigen auch der Kapitalmarkt so zu sehen.

Und im Hause Lufthansa mussten viele Dinge dringend verändert werden.

In der Vergangenheit wurden einige schwergewichtige Fehlentscheidungen getroffen, die die heutigen, teils radikalen Reorganisationen und Neupositionierungen erst notwendig gemacht haben:

 

- So wurden Marktveränderungen zu spät erkannt,

- Lowcost unterschätzt,

- eine unglückliche Flotten-Politik betrieben,

- Synergie-Potentiale der Zukäufe über Jahre nicht gehoben,

- bei BMI eine knappe Milliarde versenkt,

- das Produkt über viele Jahre sträflich vernachlässigt,

- der Overhead und Entscheidungsprozesse nicht konsequent verschlankt

- und notwendige Zukunftsinvestitionen nicht getätigt.

 

Das alles versuchte man mit nahtlos aufeinanderfolgenden Sparprogrammen, wie CLIMB, SCORE und SHAPE zu heilen, um die eigentliche Ursache, die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit zu kaschieren und das nötige Geld auf der Ausgabenseite zu kompensieren.

Dabei übersieht man, dass ein lebenswichtiger Motor, die Innovationskraft des Unternehmens im Leerlauf läuft und eine höhere Drehzahl ohne das passende Getriebe nicht von oben herab angeordnet werden kann. In der DNA des mittleren Managements ist die Lufthansa nach wie vor noch ein Staatsunternehmen mit einer ausgeprägten Verwaltungskultur. Sie laufen den Wettbewerbern in vielen Feldern immer noch hinterher.

Lufthansa ist leider kein Trendsetter.

Dabei hat Ihr Vorgänger Dr. Franz die schonungslos richtigen Analysen getroffen und erste Maßnahmen eingeleitet, die Sie konsequenterweise fortführen. Aufgrund des jahrelangen Verwaltens statt Gestaltens, in einer sich radikal verändernden Airlinewelt, haben Sie die heutige Ausgangslage als Management zu verantworten. Es ist Ihnen viele Jahre nicht gelungen Ihre Zukäufe richtig zu positionieren und aus der LH einen schlagkräftigen Konzern zu bauen. Sie haben eine Condor verkauft, weil man im Tourismussegment keine Zukunft sah und baut nun mühselig eine Eurowings auf, um Tourismusziele wieder anzufliegen.  Auf der Suche nach der richtigen Strategie, haben die internen Richtungswechsel vom Wettbewerb der Konzerngesellschaften um die kostengünstigste Plattform, hin zu einem abgestimmten Gesamtkonzern a la VW unnötig Zeit, Kraft, sehr viel Geld und Vertrauen gekostet.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verständlich dass Sie Sparmaßnahmen hauptsächlich bei den Personalkosten suchen und sich selber das Grundgehalt in den letzten 7 Jahren um über 40 % erhöht haben und nunmehr um weitere 14% erhöhen wollen. Herr Spohr, Sie verdienen mittlerweile pro Monat alleine im Grundgehalt knapp 5 Jahresgehälter eines neuen Flugbegleiters, der im Übrigen zurzeit nur noch in Teilzeit eingestellt wird und 1.400€ Grundgehalt bekommt. Auch ein Witz für die Betriebswirtschaftslehre: Sie verweigern dienstalten Mitarbeitern Teilzeiten und zwingen die neuen und günstigsten Mitarbeiter in Teilzeit. Das Thema Gehalt ist übrigens  keine Neiddiskussion sondern zeigt die Relationen und Entwicklungen in Ihrem Hause auf. Das stößt auf gravierendes Unverständnis bei den Mitarbeitern mit denen Sie diesen Kranich auf einen anderen Kurs bringen müssen und auf die Sie als Dienstleistungsunternehmen mehr als andere Unternehmen angewiesen sind. Aber Ihr Plan B scheint ja schon vorzusehen die Zukunft im Wesentlichen ohne Ihre Stammbelegschaft zu gestalten.

UFO hat immer gesagt, dass sie sich diesem notwendigen Umbau nicht verschließt, dieser muss aber mit den Mitarbeitern geschehen und nicht gegen sie. Wir haben mit Ihnen die angepasste Produktionsplattform „Jump“ verhandelt, mit der Lufthansa mittlerweile auf vormals defizitären Stecken Geld verdient, und dabei einen Kostenbeitrag von 20% geleistet. Diesen Beitrag nehmen Sie gerne mit und bedanken sich mit kannibalisierenden Schrumpfungsszenarien, indem Sie planen der Kernmarke Lufthansa Langstrecken-Eurowings-Flugzeuge an den Hubs vor die Nase zu setzen, statt wie besprochen dezentral neue Märkte zu erschließen. JUMP reicht nicht, Eurowings ist noch günstiger. Damit bedrohen Sie tausende von Arbeitsplätzen der Lufthansa im Cockpit, in der Kabine und am Boden und Sie treten die letzten Reste einer funktionierenden Sozialpartnerschaft mit Füßen. Dieses Verhalten ist ein Beleg dafür, dass Sie die Mitarbeiter gedanklich längst abgehängt haben und ganze Personalkörper mit tausenden von Menschen wie Schachfiguren hin und her bewegt werden.

Das beste Beispiel ist die Schließung des dezentralen LH-Kurzstreckenverkehrs mit Verlagerung zur Germanwings. Kaum war die Entscheidung getroffen und die Flugzeuge umlackiert und hunderte von neuen Mitarbeitern bei der Germanwings eingestellt, wurde um entschieden, erneut um lackiert und ein Sozialplan musste erstellt werden. Die neu erstarkte Marke Germanwings wird vom Markt verschwinden und in der Eurowings aufgehen. Gut, dass Sie mittlerweile dazu übergegangen sind die Flugzeuge in Teilen nur noch zu folieren - ist günstiger und geht schneller. Herr Spohr, trauen Sie der Haltbarkeit Ihrer Entscheidungen selber nicht mehr ganz?  LH-> GWI-> EW. Klingt nach LH-> JUMP->EW. Kein Wunder, dass die Sozialpartner das Gras wachsen hören und das Vertrauen verschwunden ist.

Dabei werden Ihre unternehmerische Entscheidungen maßgeblich von den Tarifvertrags- Rahmenbedingungen der Piloten bestimmt und Sie nehmen 120.000 Konzern-Mitarbeiter in Geiselhaft. Ist es Ihre Strategie die Belegschaft zu zerteilen und gegeneinander auszuspielen? Die neusten Mitarbeiterbefragungswerte zeigen, dass die Mitarbeiterbindung an das Unternehmen, die Loyalität und das Zutrauen in die Fähigkeiten in das Management auf einem inakzeptabel niedrigen Stand angekommen ist.

Vor einem Jahr stand hier Herr Baublies, der nunmehr im Aufsichtsrat sitzt und hat Sie aufgerufen den jahrelangen Tarifkonflikt  beizulegen und endlich mit den Mitarbeitern die vor Ihnen liegenden Probleme gemeinsam anzupacken. Und er hat die Frage gestellt, wie es wohl in einem Jahr aussehen wird und vor den Auswirkungen auf die Belegschaft gewarnt.

Ich kann Ihnen heute und hier die Antwort geben: Sie sind diesbezüglich nicht 1 cm weiter gekommen. Der Tarifkonflikt zermürbt Passagiere wie Mitarbeiter und verhindert einen zielgerichteten Konzernumbau, ausgerichtet an den Notwendigkeiten und nicht an den selbst auferlegten Beschränkungen. Im Konzern herrscht Unsicherheit und eine lähmende Sorge um den Arbeitsplatz - auch bei vielen Entscheidungsträgern im Management. Keiner traut sich schlechte Nachrichten zu reporten, alle sind zum Erfolg verdammt. Der neue Business-Class-Service ist ein Reinfall und controlling-freundliche  Schönrechnungen führten zu einer erschreckenden Fehlplanung bei der Personalkapazität in der Kabine. All das wird versucht intern zu verschweigen. Mit katastrophalen Folgen für den Service an Bord - das Produkt leidet. Und die Belastung der Mitarbeiter drückt sich in zweistelligen Krankenquoten aus - ein Beleg für den Loyalitätsverlust.

Auch wenn Sie mit den Bodenmitarbeitern mittlerweile einen Tarifabschluss erzielt haben, so ist dieser kaum mehr wert als eine Gehaltserhöhung. Davon können gerade 2.000 Mitarbeiter der Technik ein Lied singen. Denn Arbeitsplatzsicherheit und Zukunftsperspektiven haben die 100.000 Mitarbeiter von Ihnen nicht erhalten.

Einen guten und kompletten Manager macht aus, dass er ein guter 10-Kämpfer ist und keine Disziplin reißt. Eine erfolgreiche Tarif-und Personalpolitik sind ebenso wesentliche Managementqualitäten, wie Entschlusskraft, Analysefähigkeiten und Visionen.

Sie haben die Tariflandschaft mit den Piloten über Jahrzehnte selbst mitgestaltet und Sie können sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Sie gefährden die Arbeitsplätze der Kabinen- und Boden- Mitarbeiter in der Kernmarke Lufthansa und deren Wachstum und somit die Zukunft dieser Marke, weil Sie versuchen eine Neuausrichtung um einen Tarifvertrag herum zu gestalten. Damit verbauen Sie sich die Möglichkeit der besten Lösung. Als Beispiel benenne ich die sogenannte „Steckerleiste“ der EW, in der ein Sammelsurium an Fluggesellschaften für Sie Kurz– und Langstecke fliegt.

 

Klingt nicht vertrauenswürdig.

Klingt nicht nach erster Wahl.

Im Gegenteil: Sie ist ein Patchwork der Hilflosigkeit. 

So verlieren Sie die Mitarbeiter und somit das Rückgrat dieses Unternehmens.

 

 

Abschließende Frage: Werden zukünftig an den Hubs FRA und MUC Flugzeuge der Marke Eurowings (Kurz-und/oder Langstrecke) stationiert? Gibt es eine Abgrenzung der Strecken zur Kernmarke Lufthansa und wird dies transparent offengelegt?

Antwort Carsten Spohr: „Wenn Strecken defizitär sind, wird geprüft, ob diese mit EW geflogen werden können. Fällt die Bewertung positiv aus, werden diese von der EW geflogen. Es findet keine Abgrenzung statt.“

Bewertung der UFO: JUMP und der geleistete Beitrag, eigentlich verknüpft mit einer Wachstumszusage für LH ist ohnehin schon obsolet - nun geht es weiter. Es ist durchaus als Ankündigung zu verstehen, dass auch LH-Langstrecken zur EW gehen, weil diese kostengünstiger ist. Es geht nicht mehr nur um Tourismusziele und zusätzliche Destinationen von dezentralen Stationen. In Konsequenz wächst LH nicht mehr und die Kabine wird von Jahr zu Jahr teurer. Arbeitsplätze müssten von der LH zur EW umverlagert werden. Siehe Germanwings - Eurowings.

 

 

 

 

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