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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Lufthansa befindet sich mitten im größten Konzernumbau ihrer Geschichte. Wir als UFO haben den vom Management eingeschlagenen Kurs in den vergangenen 16 Monaten konstruktiv begleitet, weil wir den Beweis antreten wollten, dass man gemeinsam konsensuale Ergebnisse erzielen kann, bei denen trotz aller notwendiger Veränderungen und der Akzeptanz eines “Low-Cost-Standbeins” auch die Interessen der Kabine eine angemessene Berücksichtigung finden.


Deprimierende Ausgangslage

Der letzte Verhandlungsblock fand in der vorletzten Woche statt. Da sich schon im Vorfeld zeigte, dass die Gesamtsituation eher schwierig ist und auch die Verhandlungen, die unter Hinzuziehung von Moderatoren stattfanden, von Anfang an schwierig verliefen, haben wir davon abgesehen, aus den Gesprächen über Einzelheiten zu berichten, um diese nicht noch zusätzlich zu belasten. Eine Annäherung war dennoch nicht möglich. Im Gegenteil: Durch die Objektivierung der Verhandlungsthemen und Sachstände durch die beiden Moderatoren wurde noch deutlicher erkennbar, wo die Differenzen sowohl bei materiellen aber auch bei den politischen Themen waren.

Beide Seiten sind deshalb übereingekommen, dass ein Weiterverhandeln nicht länger zielführend ist. Wir haben deshalb abgebrochen und uns stattdessen darauf verständigt, dass beide Parteien noch einmal getrennt Lösungspakete erarbeiten. Diese sollten dann am Dienstag der vergangenen Woche ausgetauscht werden.

Tatsächlich haben an diesem Tag aber nur wir der Lufthansa unser auf dem letzten Verhandlungsstand aufbauendes Gesamtpaket überreicht.

Hierbei handelte es sich nicht etwa um ein reines Schaupaket, welches inakzeptabel und für Lufthansa unerfüllbare Punkte enthält. Stattdessen haben wir alle Themen immer auch wieder auch aus Sicht des Arbeitgebers betrachtet und selbst neue Sparvorschläge eingebracht, um die Differenzen realistisch zu beseitigen. Beispielsweise waren wir zu erheblichen Kostenreduktionen bereit, die sich teilweise schon durch Effekte bei einer Umstellung der Versorgung erzielen lassen, ohne das es für den einzelnen auf der Auszahlungsseite zu Verschlechterungen kommt. Im Gegenzug für die angebotenen Kostenreduzierungen und politisches Entgegenkommen (gemeinsame Lobbyarbeit, Spielregeln im Arbeitskampf, Krisenklausel) haben wir aber natürlich auch eine Absicherung und die Etablierung gewisser Mindeststandards in das Paket aufgenommen. Zu unserem Bedauern ist diese Vorgehensweise dann auch an die Presse lanciert worden und landete im Spiegel.

Die VC hatte einen in großen Teilen anderen Weg für richtig erachtet, der durch eine Vielzahl von Streiks flankiert wurde. Den Prozess hat man damit anders begleitet.

Rückblickend müssen wir nun festhalten, dass sowohl unser als auch der Weg der VC zu demselben inakzeptablen Ergebnis geführt haben. Es gab wechselseitige Kritik an der Vorgehensweise, auch von UFO in Richtung VC. Jetzt können wir gemeinsam erkennen, dass es völlig egal ist, welchen Weg man geht, das Ergebnis ist identisch, denn beides führte nachweislich nicht zurück zu einer Sozialpartnerschaft.

Bereits vor einigen Wochen hatte die aus Österreich heraus operierende Eurowings Europe Stellen im Cockpit zu Bedingungen ausgeschrieben, die jeder Beschreibung spotten. In der vergangenen Woche hat eben jene Eurowings Europe nun Kabinenarbeitsplätze zu denselben Bedingungen - freilich auf einem noch prekäreren Vergütungsniveau - ausgeschrieben, die auf die gleiche Weise jeder Beschreibung spotten.

Die Ausschreibung erfolgte unabgesprochen, obwohl wir uns im vergangenen Herbst gemeinsam mit Lufthansa darauf verständigt hatten, zukünftige Low-Cost-Plattformen im Konzern zu gewissen Mindeststandards (Einführung einer Mitbestimmung, Beschreibung von Arbeits- und Vergütungsbedingungen usw.) auf Low-Cost-Niveau zu etablieren.


Auf konstruktiven Vorschlag der UFO antwortet Lufthansa mit inakzeptablem Gegenvorschlag

Nachdem wir gestern Abend kurz vor Ablauf der Frist (17:58), die Antwortpapiere der Lufthansa erhalten hatten, mussten wir schon nach der ersten groben Prüfung feststellen, dass Stand heute das Thema völlig gescheitert ist. Elementare Themen wie Kündigungsschutz, Absicherung und das “Bündnis für Wachstum und Beschäftigung” sind ersatzlos gestrichen worden, während an dem enthaltenen Sparbeitrag nicht nur festgehalten sondern dieser sogar noch deutlich erweitert wurde. Diese Vorgehensweise erscheint uns völlig unlogisch, da ein “Bündnis für Wachstum und Beschäftigung” bereits im Februar auf dem Town-Meeting in Frankfurt öffentlich von Herrn Garnadt eingefordert worden war. Scheinbar müssen wir davon ausgehen, dass die Halbwertszeit von Aussagen dieser Konzernführung immer kürzer wird.

Auch das Papier der Lufthansa zur Versorgung bleibt plötzlich deutlich hinter deren eigenem Angebot aus den letzten gemeinsamen Verhandlungsrunden zurück.

Die gemeinsam festgestellten Einsparmöglichkeiten von mindestens 70 Mio. Euro alleine bei der Versorgung, die realisierbar sind, ohne dass den Kabinenmitarbeitern dabei in die Tasche gegriffen werden muss, reichen Lufthansa nicht aus. Man will noch mehr.

Besonders entlarvend ist die Vorgehensweise beim Thema Kommunikation. Fast zeitgleich mit der Übersendung der Antwort an uns ging eine “Anti-UFO-Veröffentlichung” an die Belegschaft und die Presse, in der man das “neue Angebot” anpries. Man war also LH-seitig offensichtlich gar nicht davon ausgegangen, dass UFO diese Antwort als Basis für eine Lösung sehen könnte. Die “Gegenwehr” war von langer Hand vorbereitet. Eine, wie in der Kommunikation der Lufthansa im CRA konstatierte, “Top Versorgung” sieht anders aus, denn die zugrunde gelegten Musterkarrieren und die zu erwartenden Zinsen entsprechen nicht der Realität, demzufolge sind die veröffentlichten Zahlen ebenso wenig realistisch. Abgesehen davon ist es rechtlich gar nicht anders möglich, als dass in einem derartigen neuen Versorgungssystem die Beiträge der ÜV in der Verlängerung nicht mehr verfallen. Das als Entgegenkommen zu bezeichnen ist mehr als abenteuerlich.

Bei einzelnen kleineren Punkten, z.B. beim Thema Teilzeit, war zwischenzeitlich durchaus eine Annäherung zu sehen, aber selbst hier zeigte sich letzten Endes der fehlende Innovationsgeist, da Lufthansa bei den neuen Modellen zwar anders als bisher vereinbart keine Testphase mehr vorgesehen hatte, dafür aber eine Maximal-Quotierung der neuen und teilweise auch bereits vorhandenen Teilzeitmodellen von u.a. 3%

Es ist gestern Abend deutlich geworden, dass keinerlei Bereitschaft für ein Mindestmaß an Absicherung der Kabinenarbeitsplätze vorhanden ist, geschweige denn, im Gegenzug für die vorgesehene Kostenreduktion eine verlässliche Perspektive für den Mitarbeiter aufzuzeigen.


Wie geht es weiter?

Die jetzige Situation ist mit dem Wort “schwierig” nicht annähernd beschrieben. Wenn es bei dem gestern überreichten “Angebot” der Lufthansa bleibt, wurde eine riesige Chance vertan.

Wir haben in den letzten Monaten alle unsere intern gesetzten Grenzen ausgereizt und der Lufthansa ein Paket angeboten, dass sie in allen Kabinenbereichen zukunftsfähig aufstellt und nachweislich, durch bestellte Wirtschaftsprüfer attestiert, die Kosten deutlich senkt.

Die UFO war bereit, diesen Weg gemeinsam zu gehen und der Kabine in einer Urabstimmung diesen Vorschlag zu unterbreiten. Doch für einen solchen Weg braucht es auch einen ernstgemeinten Einigungswillen auch auf der anderen Seite. Dieser ist nicht mehr erkennbar, im Gegenteil, wir haben den Eindruck, dass die vorgelegten Papiere als gezielte Provokation verstanden werden sollen. Möchte man eine tarifliche Lösung um jeden Preis vermeiden, um sich für Joint-Ventures mit gewerkschaftsfreien Unternehmen aufzuhübschen?

Daher müssen wir hier und für den jetzigen Zeitpunkt feststellen, dass das Gesamtpaket gescheitert ist und nach dem 1.11.2015 nicht mehr Gegenstand von Auseinandersetzungen sein kann. Wir werden Euch im Laufe der kommenden Tage weitere Bewertungen und detaillierte Informationen einschließlich einer Gegenüberstellung unseres Vorschlags und des LH-Gegenvorschlags zur Verfügung stellen.

Wir beraten die nächsten Tage in allen UFO-Gremien, wie wir mit dieser Situation umgehen und schließen Arbeitskampfmaßnahmen ab dem 01.11.2015 ausdrücklich nicht aus. Offen sind wir auch für Gespräche mit anderen betroffenen Berufsgruppen und deren Gewerkschaften. Mit der VC sind wir ohnehin bereits in einem intensiven Austausch.

Lufthansa hat immernoch die Möglichkeit, uns konkrete neue Vorschläge zu übermitteln. Wir gehen aber davon aus, dass dies nicht passieren wird, da man eine Einigung offensichtlich gar nicht anstrebt.


Über die weiteren Entwicklungen werden wir Euch informieren.

Eure UFO

 

 

 

 

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Eurecca

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