UFO - Unabhängige Flugbegleiter Organisation
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Corona-Krise

UFO Update,

Strategie und Maßnahmen

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17.03.2020

Liebe Kolleginnen und Kollegen,  

zuerst wollen wir uns bei Euch dafür entschuldigen, dass wir heute leider kein Hangout senden konnten. Auch die angekündigte alternative Videoaufzeichnung wird es erst morgen geben. Uns geht es wie Euch: stündlich neue Nachrichten, die verarbeitet und geordnet werden wollen. Wir wissen, dass die Situation gerade zerreißend ist – wir wollen Euch aber auch nicht mit falschen oder unausgegorenen Informationen versorgen. 

Das Coronavirus hat eine absolute Ausnahmesituation hervorgerufen. Fühlte sich die Krise anfangs noch “weit weg” an, ist sie jetzt in voller Härte bei uns angekommen. Die ganze Welt ist betroffen, die Wirtschaft schon jetzt nachhaltig geschädigt und, wie so oft in wirtschaftlichen Krisen, ist der Luftverkehr dabei besonders betroffen. Soll heißen: WIR sind besonders betroffen. Nicht nur wegfallende Mehrflugstunden, vor allem das Kurzarbeit ist in aller Munde, das verständlicherweise für Verunsicherung sorgt. Viele von uns fragen sich auch wie es überhaupt in den nächsten Wochen mit der Fliegerei weitergeht, ob die Jobs sicher sind, ob wir diese Krise überstehen. Die Bilder von abgestellten Maschinen mit eingepackten Turbinen erschüttern bis ins Mark.  

Wir haben es an anderer Stelle schon geschrieben: Solidarität ist das Gebot der Stunde. Als Kabinengewerkschaft haben wir dabei drei große Ziele:  

1.) Alle Flugbegleiter in allen Betrieben an Bord behalten.  

Wenn auch extrem fordernd, ist dies unserer Einschätzung machbar. Voraussetzung ist, dass wir miteinander reden und schnell sowie konstruktiv zusammenarbeiten.  
Der Umgang mit Befristungen, Probezeitlern, Kollegen, die am take-off-day keinen Arbeitsvertrag bekommen, Kabinenkollegen in Betrieben, die für LH als Subunternehmer fliegen (LGW) – all dies gehört in einen Konzernkontext, all diese Kollegen müssen geschützt werden. 
 

2.) Alle Flugbegleiter zu Konditionen durch die Krise zu bringen, welche die Existenz sichern.  

Dazu braucht es deutlich mehr als “Standard-Kurzarbeitsvereinbarungen” und im Individualfall zusätzliche Härtefallregelungen. SMKler bei LH, erziehende oder pflegende Mitarbeiter in Teilzeit, Kolleginnen und Kollegen, die in manchen Betrieben nur 60% vom Amt bekommen würden – für viele ist ein Einbruch des Gehalts nicht länger als ein paar Wochen zu stemmen. Hier haben wir im Hause LH z.B. Gelder aus dem Mitarbeiterfonds, um zusätzlichen Schutz zu bieten.  
 

3.) In der Politik dafür werben und verhandeln, dass der Staat und Europa die Branche mit deren Mitarbeitern besonders schützen. 

Kredite und Kurzarbeitergeld allein helfen nicht. Es braucht Zuschüsse sowie kurz- und langfristige Entlastungen der Unternehmen. Die Anhebung der Luftverkehrssteuer halten wir in dieser Situation für kontraproduktiv. Auch die laufenden Kosten des Flugbetriebs, wie etwa Gebühren für die Deutsche Flugsicherung (DFS) und weitere Abgaben müssen neu “bewertet” werden, um gerade den Airlines Luft zu verschaffen. So könnte durch ein Moratorium und Absenkung von laufenden Abgaben, in der akuten Krise schnell geholfen werden und damit für die Wiederaufnahme des Flugbetriebs finanzielle und strukturelle Sicherheit geschaffen.  

 

Jeder für sich – alle gegen die Krise 

Die Arbeitgeber gehen mit dieser Situation sehr unterschiedlich um. Beispielsweise haben wir mit Condor heute einen Tarifvertrag Kurzarbeit abgeschlossen, mit dem die Geschäftsführung rechtssicher Anträge bei der Agentur für Arbeit stellen kann. Inhaltliche Updates dazu kommen in den nächsten Tagen. 

Im LH-Konzern scheint hingegen – trotz der massiven Krise – immer noch kein gemeinsames Verständnis darüber entstanden zu sein, dass wir sozialpartnerschaftlich alles versuchen müssen, um alle an Bord zu behalten. Wir stellen enttäuscht fest, dass UFO als Tarifpartner weiterhin umgangen wird. Umdenken ist jedoch jetzt nötig. Denn wir haben bereits klar gemacht, dass unsere Verfahren und Streitigkeiten in diesen Zeiten hintenanstehen müssen. Wir wollen Moderation, Schlichtung, Mediation und Güteverfahren erst einmal pausieren und uns gemeinsam um die Krise kümmern. Allein es klappt bei Lufthansa nicht. Wir hoffen, dass sich das sehr schnell ändert und werben dazu an allen Stellen. Wenn es nicht anders geht, müssen wir auch hier die Hilfe Dritter bemühen, da es nicht sein kann, dass aufgrund fortgesetzter befindlicher Sturheit, die Interessen der Mitarbeiter oder Kabinenarbeitsplätze (!!!) hinten runterfallen. 

Wir werden Euch nach den nächsten Gesprächen mit dem LH-Konzern und internen Beratungen diese Woche berichten, wie es weitergeht. Vereinbart ist ein Gespräch mit LH-Verantwortlichen für morgen. 

Was ist bisher bei LH zur Kurzarbeit verhandelt? 

Lufthansa und Eure Personalvertretung Kabine haben eine Betriebsvereinbarung (BVB) zum Thema Kurzarbeit verhandelt und letzte Woche Mittwoch unterschrieben. Wir wurden daran leider nicht beteiligt. Diese BVB hat aus unserer Sicht einige Lücken, die wir Euch kurz zusammenfassen wollen: 

1.) Diese BVB regelt nichts zu den Probezeitlern, welche als erstes von Kündigungen betroffen wären. Mündliche oder schriftliche “Zusicherungen” der Geschäftsleitung außerhalb dieser BVB reichen nicht aus. 

2.) Die BVB regelt ebenfalls nicht, wie die SMKler in den unteren Stufen oder Teilzeitler mit Erziehungs-/Pflege-Themen von dem Geld, das am Ende übrigbleibt, leben sollen. Hier braucht es einen besseren Ausgleich.  

3.) Diese BVB regelt nicht, wie mit P2en umgegangen wird, welche über der Beitragsbemessungsgrenze der Agentur für Arbeit liegen und demnach weniger Kurzarbeitsgeld bekommen würden.  

4.) Diese BVB regelt nicht, wie während der Kurzarbeit und bei einem schrittweisen Hochfahren der Produktion mit den bekannten planerischen Asymmetrien zwischen den Standorten MUC und FRA und zwischen verschiedenen Mitarbeitergruppen umgegangen werden soll – die Aufstockungsbeträge der Agentur für Arbeit könnten im schlimmsten Falle, wenn die Kapa-Planung der LH wieder nicht funktioniert, sehr ungerechte Ergebnisse produzieren. Das bedeutet z. B. für die Kollegen in MUC, dass sie in der Anfangsphase der Kurzarbeit aufgrund noch massiverer Flugstreichungen weniger verdienen würden als die Kollegen in FRA. Eine belastbare Verhandlungsverpflichtung oder anders formulierten Kontrollmechanismus zu diesen Themen, beinhaltet die BVB nicht.   

Auf unsere Nachfragen, weshalb – mal wieder – an der Gewerkschaft vorbei agiert wird, sagt die LH-Führungsriege deutlich, dass sie ihrer (Rechts-)Meinung nach nicht mit UFO reden müssen. Nicht nur, dass wir die rechtliche Lage anders einschätzen, seltsamerweise sind Verhandlungen mit der VC oder mit ver.di für den Boden möglich. Es kann also nicht an einem mangelnden rechtlichen Rahmen liegen, um Kurzarbeit mit der Gewerkschaft zu vereinbaren. Die Aussage, man möchte dies lieber mit der Betriebsebene regeln, da es mit der UFO zu kompliziert sei, ist wohl die ehrlichste Antwort. 

Allerdings sind Rechtsstreitigkeiten und Abwehrhaltung gegenüber UFO in dieser Krise nicht der richtige Weg.  Der Konzern hat ein Cash-out-Problem; heißt: Es muss so viel Geld wie möglich in der Kasse gehalten werden. Daher haben wir bereits angeboten, variable Vergütungsbestandteile wie unsere Ergebnisbeteiligung zu schieben oder umzuwidmen. Außerdem könnten wir die Mittel des Mitarbeiterfonds nutzen, um zusätzliche Auszahlungen aus der Unternehmenskasse in „flüssigere“ Zeiten zu schieben. 

In den Konzerntöchtern ist die Lage leider nicht klarer. Bei GWI und EW werden jetzt Verhandlungen über Kurzarbeit aufgenommen, in den kommenden Tagen kann es schon zu Abschlüssen kommen. Bei SXD sind wir morgen in Verhandlungen, auch hier erfordert die Krise Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaft und Unternehmen. Was genau das bedeutet, werden wir auch hier in den kommenden Tagen erfahren. 

Damit bleibt Eure Absicherung löchrig und unklar. Wir wollen gemeinsam mit allen Beteiligten durch diese schwere Zeit; aber nicht so. Bei kleineren Airlines geht es jetzt schon um Jobs und Existenzen, doch die Situation für die LH-Kabine ist aus gewerkschaftlicher Sicht derzeit schlicht inakzeptabel. Es muss dringend etwas passieren, damit wir tatsächlich alle zusammen gestärkt aus dieser Krise hervorgehen können.  

Wir wollen Euch mit dieser Veröffentlichung mitteilen, wo wir als Gewerkschaft stehen – und wie wir echte Solidarität praktizieren. Es kann nicht sein, dass die LH-GL in der Kabine wieder Spielchen des Teilens und Herrschens versucht. Wir rufen alle Kolleginnen und Kollegen zur Geschlossenheit auf und halten Euch zu Kurzarbeit und allen anderen Maßnahmen der Krisenbewältigung auf dem Laufenden - auch wenn diese ausbleiben. 

United we stand  

Eure UFO 

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