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Germania

Crew-Info und Wahrheit

22.03.2018

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Geschäftsführung der Germania,

nach der Veröffentlichung der von der Geschäftsführung verfassten "Crew-Info" hat uns eine Welle der Entrüstung ereilt. Viele Kollegen spüren, dass die Inhalte nicht der Wahrheit entsprechen.

Natürlich möchten wir uns herzlich bei unserer Geschäftsführung bedanken, dass wir endlich Gehör gefunden haben. Bedauerlich erscheint jedoch, dass man schon die Gründung unserer Tarifkommissionen als Kampfansage ansieht, ohne auch nur einen Vorschlag zur Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen von unserer Seite gehört, geschweige denn mit uns gesprochen zu haben.

Daher möchten wir zur Crew-Info vom 16.03.2018 Stellung beziehen:

Anhand der von Germania veröffentlichten Pressemitteilungen der letzten Monate lässt sich angeblich "deutlich der gute Ausblick der Germania für die Zukunft ableiten" (Zitat: Crew-Info).

Dieser gute Ausblick ist zu einem großen Teil der Gutmütigkeit der Belegschaft geschuldet. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass wir als Flight- und Cabincrews einen Großteil des Erfolgs erwirtschaftet haben. Wir haben durch unseren unermüdlichen Einsatz in der Daily-Ops, sei es in unbequemen Situationen, an sehr langen Tagen, aus dem OFF oder Urlaub heraus, sei es bei unangemessenen Leihwagen-Proceedings, nachts, an Wochenenden oder Feiertagen, eine erfolgreiche Operations überhaupt erst möglich gemacht.

Ebenso soll die Leistung unserer Bodenkolleginnen und -kollegen am Unternehmenserfolg nicht unerwähnt bleiben. Aber auch diese Germania-Mitarbeiter genießen keinerlei Schutz durch einen Betriebsrat oder durch Tarifverträge, die die Arbeitszeit und die Vergütung regeln. Unterstützung können diese Kolleginnen und Kollegen über die Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) www.igl.aero anfordern.

Nach wie vor ist es unser Ziel, als Tarifkommissionen mit der Geschäftsleitung an einem Tisch über die Arbeits- und Vergütungsbedingungen zu verhandeln. Und das setzt eine Gesprächsbereitschaft auf Augenhöhe voraus und nicht nur eine bloße Duldung des "Crewgremiums". Was nutzt eine von der Arbeitgeberseite diesbezüglich konstatierte "Hartnäckigkeit", wenn am Schluss dann doch alleine die Geschäftsführung eben "ihre Bedingungen" festlegen kann. Unter Mitwirkung verstehen wir etwas anderes: Echte Tarifverhandlungen, die zu sichtbaren Verbesserungen führen!

Nichtsdestotrotz gebührt den Mitgliedern des Crewgremiums unser Dankeschön und Respekt für ihr unermüdliches Engagement.

Die Geschäftsführung schürt darüber hinaus Ängste, dass die TK ein Trojanisches Pferd irgendwelcher ominöser Lufthansainteressen sei, worüber dieser Konzern Einfluss auf die Geschicke einer Germania nehmen würde.

Fakt ist: In einer TK bzw. PV werden die Interessen der Mitarbeiter der Germania ausschließlich durch gewählte Mitarbeiter der Germania vertreten. Diese beschäftigen sich mit den internen Problemen und versuchen, hierfür maßgeschneiderte Lösungen zu finden. Das Ziel ist die Etablierung von sogenannten Haustarifverträgen - wie in der ganzen Branche üblich -, die sich am Geschäftsmodell und der Größe des Unternehmens orientieren. Bereits bewährte und gut funktionierende Tarifverträge und seriöse Benchmarks gibt es hierfür zahlreiche, als da insbesondere Eurowings Deutschland, Condor und Easyjet zu nennen wären - Unternehmen, die sich im Quellmarkt Deutschland mit Germania den Markt teilen. Vor diesem Hintergrund, mit dem Bewusstsein über Marktposition und Handlungsspielraum des Unternehmens, ist ein überlegtes und ausgewogenes Handeln aller Tarifkommissionsmitglieder klar. Zudem ist es eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass niemand den eigenen Arbeitsplatz gefährden, d.h. den sprichwörtlichen Ast absägen möchte, auf dem er sitzt!

Das Know-how und die Erfahrung der hier agierenden Gewerkschaften VC (Cockpitpersonal) und UFO (Kabine) helfen uns auf diesem Weg und sind damit unverzichtbar für die Durchsetzung des Vorhabens, eine adäquate Mitarbeitervertretung bei Germania zu implementieren. Der jüngste Erfolg der Ryanair-Piloten, die nun plötzlich aus der Scheinselbständigkeit in ordentliche Arbeitsverhältnisse wechseln, zeigt deutlich die Notwendigkeit und Wirkung einer professionellen gewerkschaftlichen Unterstützung. Mit Hilfe einer anerkannten Gewerkschaft ist man schließlich in der Lage, berechtigte Forderungen, sofern notwendig, auch durchzusetzen.

Wie die Geschäftsführung in ihrer Crew-Info bekannt gab, sollen es "auf das Unternehmen zugeschnittene Lösungen sein". Diese Lösungen ergeben angeblich "einen verbindlichen Charakter". Es gelten: "Individualverträge".

Unser Ziel sind auf das Unternehmen und die Mitarbeiter zugeschnittene Lösungen und dass die für alle verbindlich ausgehandelten Mantel- und Vergütungstarifverträge gelten.

Wir als Tarifkommissionen möchten mit Euch, liebe Kolleginnen und Kollegen, für unsere starke Germania kämpfen. Und wir wollen genauso stark und erfolgreich wie Tarifkommissionen unserer oben genannten Mitbewerber sein. Denn alle unsere Mitbewerber haben eine Tarifkommission und eine Personalvertretung und alle agieren trotzdem im Markt erfolgreich. Warum soll also ausgerechnet bei der Germania die Etablierung von Tarifverträgen dazu führen, nicht mehr wettbewerbsfähig zu sein?

Es ist daher jetzt an der Zeit, uns als Mitarbeiter und unsere Vertretung in Form der Tarifkommissionen der VC und UFO ernst zu nehmen und sich mit uns an einen Tisch zu setzen. 

Mit besten Grüßen

Eure Germania Tarifkommissionen, germania@ufo-online.aero und germania-tk@vcockpit.de

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