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Germanwings

Konzernumbau gestartet:

Germanwings wird bedroht

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Germanwings wird bedroht

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03.04.2020

Liebe Kolleginnen und Kollegen,   

aus heiterem Himmel hat uns gestern die Pressemitteilung des LH-Konzerns in Bezug auf die GWI erreicht.   

Man habe praktisch im gesamten Konzern bereits Kurzarbeit umgesetzt. Allerdings gebe es eine Ausnahme: die Germanwings. Die von der VC angestrebte Übernahme der Kurzarbeiterregelung analog Lufthansa könne aufgrund der kritischen wirtschaftlichen Situation nämlich nicht dargestellt werden und auch für die Kabine gebe es bislang keine Lösung mit UFO.  

In Kurzform soll das heißen: Überall anders funktioniert es, nur die Gewerkschaften bei GWI haben den Ernst der Lage nicht verstanden und zocken. Daher werde nun „die Zukunft der Germanwings immer fraglicher“.  

 

Was der Konzern nicht erwähnt  

Die VC hat gefordert, was im gesamten Konzern der Standard ist, das gleiche gilt für uns. Und ebenso wie die VC, waren auch wir mit unseren Verhandlungen fertig bzw. auf der Zielgeraden, als der Konzern sie gestern völlig überraschend einkassiert hat. 

Dass das in keiner Weise „überzogen“ war, sieht man unter anderem daran, dass Matthias Spohr (Flugbetriebsleiter bei EWD und Bruder des CEOs) kürzlich in einem Webcast für die Mitarbeiter der Eurowings erklärt hat, man werde sich selbstverständlich beim Kurzarbeitergeld an der Lufthansa orientieren. Das ist auch und gerade bei Low-Cost angemessen, denn die Gehälter liegen im Durchschnitt deutlich unter denen bei der Mutter. Entsprechend wurde es auch bis gestern von niemandem ernsthaft in Frage gestellt. 

Heute sieht die Welt anders aus. Zwei Dinge bezweckt der Konzern mit seiner neuen Strategie: 

  1. Getreu dem Motto, dass in jeder Krise auch eine Chance liegt, versucht der Konzern nun bezüglich einiger Dinge hart durchzuregieren, die mit Krise nichts zu tun haben, sich aber unter diesem Schlagwort gut nach außen verkaufen lassen. 
  2. Er möchte ein Exempel statuieren. 

Mitnichten ist nämlich Kurzarbeit in der Lufthansa Gruppe „beinahe überall umgesetzt“, außer bei Germanwings, wie es in der Pressemitteilung heißt. Das Gegenteil ist der Fall. Sie ist praktisch nirgends umgesetzt, außer bei der Mutter. Bei EW nicht, bei EW EU nicht, bei SXD nicht. Bei CLH nicht mehr, denn auch dort wurde eine bereits fertige Vereinbarung zwischen der PV und der GL durch das Management in Frankfurt wieder gekündigt. Beispielhaft nennt LH in ihrer Meldung Austrian und Brussels. Dort laufe es. Sie nennt diese beiden Betriebe aus einem einzigen Grund: Weil es die einzigen sind! Im Falle von Brussels noch dazu ein höchst unrühmliches, denn dort wurde an der designierten PV und den Gewerkschaften vorbei jeder Mitarbeiter einzeln vor die Entscheidung gestellt, entweder eine individuelle Vereinbarung deutlich unterhalb des branchenüblichen Standards abzuschließen oder seinen Arbeitsplatz zu verlieren.  

Germanwings ist nicht der eine Ausnahmebetrieb hinter dem Zeitplan, dessen Gewerkschaften den Ernst der Lage nicht einsehen wollen. Germanwings ist das exakte Gegenteil. Ein Betrieb mit funktionierender Sozialpartnerschaft (jedenfalls wenn es hart auf hart kommt), und daher der erste im gesamten Konzern mit ausverhandelten Tarifverträgen zum Thema Kurzarbeit für das fliegende Personal. Genau diese Verträge dürfen nun aber qua Konzernorder nicht abgeschlossen werden, obwohl sie keinen Cent teurer sind als bei Lufthansa.   

Ausnahmslos jeder einzelne in wirklich jedem Tochterunternehmen der Deutschen Lufthansa AG soll noch rechtzeitig verstehen, an welchen Punkt soziale Verantwortung dem Konzern lästig wird und die Abwärtsspirale kräftig nach unten drehen. Das ist der zentrale Grund dafür, dass „die Zukunft der Germanwings immer fraglicher wird“.   

Daneben wird die Krise eiskalt genutzt, um sich Mitarbeitern zu entledigen, deren Unternehmen strategisch nicht mehr gebraucht wird.  

In solch einer Situation, in der sich faktisch die gesamte Weltgemeinschaft befindet, als Konzern die Waffe auf einzelne Konzerngesellschaften und ihre Mitarbeiter zu richten, ist hoch unanständig.   

Wir, die Gewerkschaften und Betriebsräte/Personalvertretungen des LH-Konzerns, versuchen gerade alles, um bei der Politik, den Gästen und der Öffentlichkeit Gehör zu finden.   

Einem Konzern, der den weitaus größten Teil seiner sozialen Verantwortung für über 100.000 Mitarbeiter zeitweise auf den Staat auslagern möchte, stünde ein Verzicht auf das Statuieren von Exempeln gut zu Gesicht. Zumal wenn er dafür, während er die Gehälter der Mitarbeiter in der Mainline überwiegend von den deutschen Bürgern finanzieren lässt, im Ergebnis sehr viel Geld aus eigener Tasche ausgeben müsste? Denn – ohne Kurzarbeitsvereinbarung müssen die Gehälter bei Germanwings voll vom Lufthansa-Konzern bezahlt werden. Das ist schon ohne die Kosten für einen Sozialplan grob überschlagen dreimal teurer als eine angemessene Regelung zur Kurzarbeit! Was kann das Ziel dahinter sein? Wir meinen: Angst schüren, denn ohne Tarifvertrag zur Kurzarbeit auch kein Kündigungsschutz.  

Dabei ist ein derartiges Feuern auf Euch in unseren Augen völlig unverständlich. Sowohl Piloten als auch Kabinenvertreter haben mit Augenmaß verhandelt und sehen nichts anderes als eine Gleichbehandlung der Konzernmitarbeiter als fair und geboten an.   

Wir werden nun weiter dafür werben, hier anständig und fair zu bleiben.   

Bitte seht es uns nach, dass wir keine Zwischenmeldungen anbieten können, solange wir nicht alle Fakten und Infos zusammen haben, um die Situation einordnen zu können.   

Was wir Euch aber bereits ankündigen können: Am kommenden Dienstag, den 7.04., werden wir um 14 Uhr einen Hangout über unseren YouTube-Kanal senden. In dem Live-Stream werden sich unsere Tarifexperten für die Konzernairlines diesmal ausschließlich um Eure Fragen kümmern. Schickt diese gerne bereits vorab an hangout@ufo-online.aero.  

Im Moment werden wir jede Energie in eine Klärung der Situation in Eurem Sinne stecken und bemühen uns mit allen anderen Beteiligten abzustimmen.   

Eure UFO 

Foto unsplash.com / @ashleyjurius
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