UFO - Unabhängige Flugbegleiter Organisation
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LGW

Fakten statt Gepolter: Warum Ihr Euch Euer

eigenes Bild machen solltet

26.06.2019
  • Verdi schießt gegen UFO-Tarifvertrag  
  • Was ist dran an der Kritik? 
  • Wie geht es weiter? 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,  

wie Ihr wisst, haben UFO und LGW kürzlich den ersten Tarifvertrag für die LGW-Kabine überhaupt abgeschlossen. Wir stehen hinter unserem Vertrag, auch wenn wir einige kritische Stimmen hören. 

Verdi schießt gegen UFO-Tarifvertrag  

Wenn der Tarifvertrag der einen Gewerkschaft von der anderen Gewerkschaft beschossen wird, ist ein solches Vorgehen soweit nichts Ungewöhnliches. Daher kommentieren wir dieses in der Regel auch nicht. Aber die Attacken auf unseren VTV sind so abenteuerlich, dass wir - nach sehr reiflicher Überlegung – nun ein paar Dinge klar- und richtigstellen müssen.  

Schon die allererste Äußerung von Verdi direkt nach der Unterschrift macht sehr klar, woher hier der Wind weht. Da wird von einem “Gefälligkeitsvertrag” fabuliert, nachdem man ein paar Zeilen vorher unumwunden zugegeben hat, dass man die Inhalte noch gar nicht kennt („was bisher bekannt wurde lässt nichts Gutes vermuten“). Das klingt schmissig, ist aber nichts anderes als Marketing.   

Die Idee einer UFO, die sich als Gewerkschaft dem Arbeitgeber an den Hals wirft, wirkt auf jeden, der sie kennt, ziemlich absurd. Man kann uns sicherlich das ein oder andere vorwerfen, aber dass wir für Arbeitgeber besonders bequem wären, sicher nicht. Wir waren, wir sind und wir bleiben die größte, die kompetenteste und die schlagkräftigste Gewerkschaft für Kabinenmitarbeiter in Deutschland. Von Fliegern für Flieger. Punkt.  

Inhalte des VTV

Aber nun zum eigentlich wichtigen Thema: Unser VTV ist gut. Ist es der attraktivste VTV der Luftfahrtgeschichte? Wahrscheinlich nicht. Aber es ist der erste Tarifvertrag für die LGW-Kabine überhaupt und ein sehr wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Und – er ist im Vergleich mit anderen Flugbetrieben absolut konkurrenzfähig, zum Teil sogar besser. Der entscheidende Punkt ist – der Vertrag bietet fast jedem Mitarbeiter spürbar mehr Geld bei gleichzeitig wesentlich mehr Sicherheit! Das ist im Geschäftsmodell der LGW ein wichtiger Aspekt. 

Die Bezahlung bei der LGW war tatsächlich auch schon vor dem VTV grundsätzlich konkurrenzfähig. Allerdings mit dem grundlegenden Problem, dass die Risiken weit überdurchschnittlich stark von Euch getragen wurden und nicht, wie es sich gehört, vom Arbeitgeber. Das bedeutet, dass ein vernünftiges Auskommen nur mit ausreichend Flugstunden im Plan möglich war. Darauf hat aber der Einzelne gar keinen Einfluss. Das ist nun anders. 

Wir wissen auch - wer als Senior heute in einem Monat keinen Standby absitzt, nicht krank oder im Urlaub ist, und an einer saisonbedingt voll ausgelasteten Station 20 Einsätze in einem Monat fliegt, der mag in diesem konkreten Monat tatsächlich einige Euros weniger in der Tasche haben. Aber ganz bestimmt nicht auf das Jahr und schon gar nicht auf viele Jahre gerechnet. Künftig hat jeder Senior 4.800 Euro Senior-Vergütung im Jahr SICHER. Egal, was passiert. Ob er krank ist, ob er lower Rank fliegt, ob Urlaub, Training, Sommer oder Winter. Und - das ist der wirklich entscheidende Punkt - egal, wieviel Geschäft die LGW gerade hat.  

Erst ab 138 tatsächlich als Senior im Jahr geflogenen Einsätzen ist das alte Modell attraktiver. Niemand kann Euch heute seriös sagen, wie viele Flugzeuge in ein, zwei Jahren ausgelastet sein werden und an welchen Stationen. Wir hoffen alle, dass es viele sein werden, aber wissen tut es niemand. Und es wird in jedem Fall Euren Vermieter nicht interessieren, wie das Wet-Lease-Geschäft gerade so läuft – der will immer gleichviel Miete von Euch.  

Sollte an dieser Stelle jemand der Verdi mehr Glauben schenken, bitte sehr. Wir zitieren aus einer Veröffentlichung der Kollegen vom 1.11.2018: 

„…wird es in Zukunft weiter so sein, dass wir weit unter den 50 Stunden eingesetzt werden. Wir erleiden jeden Monat massive finanzielle Einbußen und diese Situation ist nicht länger hinnehmbar. Wir brauchen mehr denn je eine Erhöhung unserer garantierten Vergütung.“ 

Daneben besteht ein VTV ja nicht nur aus der Seniorvergütung, sondern noch aus vielen anderen Punkten, die man alle im Zusammenspiel betrachten muss und die sich aufaddieren. So zum Beispiel: 

  • Eine Erhöhung der der garantierten Stunden von 50 auf 60. Das bedeutet eine Erhöhung des Grundgehalts i.H.v. 100 Euro 
  • Erhöhung der Mehrflugstundenvergütung von 10 € auf 15 € 
  • Stundenzuschreibung für Standby-Dienste ohne Aktivierung i.H.v. 21 Minuten je angefangene Stunde, maximal 210 Minuten pro Tag  
  • Stundenzuschreibung für Urlaub i.H.v. 120 Minuten pro Tag  
  • Anerkennung von Vorflugerfahrung in praktisch vollem Umfang bei Neueinstellung  
  • Ab Gehaltsstufe 7 bzw. G beträgt die Wartezeit bis zur nächsten Stufe nur noch ein Jahr statt bisher zwei  
  • Aktivierung aus dem OFF wird mit 250 €, Aktivierung aus dem Urlaub mit 350 € vergütet (nur freiwillig!)  
  • Ab 1.1.20 erfolgt eine Umstellung der Spesen auf Abwesenheitsgeld i.H.v 1,75 € ab der 1. Stunde 
  • Arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersvorsorge i.H.v. 1 % der Beitragsbemessungsgrenze (aktuell ca. 67 €/Monat)  

Wir möchten Euch bitten, nicht auf den durchschaubaren Versuch reinzufallen, alle diese Benefits schlecht zu reden, sondern einmal Eure Lohnabrechnungen abzuwarten, Eure Einnahmen mit den Einsatzbedingungen zu vergleichen und dann ein Urteil zu fällen. Dieser VTV ist garantiert kein „Nullsummenspiel“, wie aktuell behauptet wird. Nur lässt sich vieles nicht mal eben in ein paar markigen Sätzen erklären.   

Zum Beispiel hat jeder Flugbetrieb die Tendenz, bei wenig Geschäft massiv Standbys zu verteilen, statt einfach freie Tage zu geben. Schlicht, weil es maximal flexibel für die Einsatzplanung ist. Mit der Stundenzuschreibung von 3,5 Stunden für einen abgesessen Standby ist es damit nun vorbei, einfach weil es die Monatsstunden erhöht und den Arbeitgeber deswegen ab jetzt Geld kosten wird.  

Ähnlich ist es bei Urlaub. Wer bislang zwei Wochen Urlaub gemacht hat, der konnte sich praktisch sicher sein, im betreffenden Monat nicht in die Mehrflugstunden zu kommen. Das ist passé. Am Rande – Stundenzuschreibungen sind so eine gute Sache, dass die Kolleginnen und Kollegen einer anderen Gewerkschaft das jetzt auch fordern (natürlich eine halbe Stunde mehr, man muss sich ja schließlich differenzieren…). 

Dann bekommt künftig jeder Mitarbeiter eine betriebliche Altersvorsorge on top. Allein das macht in Vollzeit knapp über 800 Euro im Jahr aus. 

Dass man nun drei Jahre früher in die Endstufe kommen wird, bedeutet für alle, die langfristig bei der LGW bleiben, über die Zeit einen Vorteil von insgesamt 7.200 Euro! 

Die tarifvertragliche Festschreibung, dass es sehr teuer ist, Euch im Urlaub oder während Eures OFF zu belästigen, ist ein Segen für alle, die im Urlaub auch wirklich Urlaub wollen. Man wird sich sehr genau überlegen, ob man Euch stört, oder nicht. Eine vergleichbar gute Regelung ist uns in anderen AOCs nicht bekannt. 

Die neue Spesenregelung macht ebenfalls einen echten Unterschied. Wer künftig 7 Stunden unterwegs ist, der bekommt 12,25 Euro. Bislang gab es dafür null. Wer fünf Tage am Stück an einer Außenstation verbringt, der bekommt nun 210 Euro statt bisher 120 Euro.  

Und was wir schließlich auch nicht vergessen wollen: Die Sonn-, Nacht- und Feiertagszuschläge gibt es weiterhin zusätzlich, und auch diese sind nun in einem Tarifvertrag festgeschrieben. Ihr wisst alle, dass das einen echten Unterschied macht. Diese Zuschläge sind bei praktisch allen deutschen Flugbetrieben bereits im Grundgehalt enthalten. 

Wie geht es weiter? 

Natürlich ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Wir haben nicht alle unsere Forderungen auf einmal durchgesetzt, aber das darf man auch nicht erwarten. Der VTV läuft auch nur etwas über ein Jahr und dann geht es weiter. Und natürlich stehen auf unserer Agenda noch weitere Tarifvereinbarungen mit dem Arbeitgeber. Die höchste Dringlichkeit hat - vor dem Hintergrund der Entwicklungen an einzelnen Stationen - zunächst ein Sozialplan sowie natürlich ein Manteltarifvertrag, um für Euch alle gute Einsatzbedingungen sicherzustellen

Zum Abschluss nochmal unsere Bitte: Lasst Euch nicht verrückt machen, der VTV ist gut. Wenn es in der LGW schlecht läuft, stehen alle viel besser da als vorher. Wenn es gut läuft, dann steht Ihr mindestens so gut da wie vorher, aber mit deutlich mehr Sicherheit und im Zweifel auch besser als die Kolleginnen und Kollegen in den Unternehmen, für die Ihr im Wet-Lease fliegt. 

 

Herzliche Grüße 

Eure UFO-Tarifkommission 

 

PS: Falls Du noch kein UFO-Mitglied bist, wäre JETZT ein guter Zeitpunkt, dies zu ändern. 

Einzelheiten, wie Du Mitglied werden kannst, findest Du unter folgendem Link: 

www.ufo-online.aero/mitgliedwerden 

Falls Du Kollegen hast, die noch kein Mitglied sind, würden wir uns freuen, wenn Du auch diese dazu ermuntern würdest, bei uns einzutreten. Sollten sich in diesem Zusammenhang irgendwelche Fragen ergeben, könnt Ihr Euch gerne unter per E-Mail unter tarif@ufo-online.aero an uns wenden. 

 

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