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Ver.di als Trojanisches Pferd?

Wie sich der Konzern auf den Kabinenstreik vorbereitet

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Ver.di als Trojanisches Pferd?

Wie sich der Konzern auf den Kabinenstreik vorbereitet

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13.10.2019

Es ist ein langer Konflikt. Lufthansa und UFO streiten seit drei Jahren über die Platzeckschlichtung bei LH-Classic, im vergangenen Jahr weitete er sich auf alle Konzernairlines aus.

Nun stehen im gesamten Konzern Arbeitskämpfe an. Die verschiedenen Airlines antworten mit Briefen, die einen Streik nur noch mehr provozieren. Um den Abschluss von Tarifverträgen mit UFO zu vermeiden, werden Streiks billigend in Kauf genommen. Unter Zuhilfenahme von rechtlich unhaltbaren Argumenten. Außerhalb des LH-Konzerns werden rechtlich einwandfreie Tarifabschlüsse gemacht, wie zuletzt bei Condor im Zuge der Thomas-Cook-Insolvenz. Gerade in der jetzigen Situation würde Condor dies niemals tun, wenn es wirklich fraglich wäre, ob UFO tariffähig ist.

Warum provoziert der Konzern diese Streiks?

In diesem Konflikt wird nicht mehr nach Lösungen gesucht, sondern alt hergebrachte Taktiken verwendet bei denen es um Siegen oder Verlieren geht.

Der Konzern setzt darauf, dass die Kabine sich nicht ausreichend an der UFO orientiert. Denn UFO hat sich selbst in den letzten Monaten als schwach und zerstritten präsentiert. Die anstehenden Neuwahlen und die insgesamt wieder erstarkende UFO machen den Konzernvorstand jedoch nervös.

Man hofft darauf, dass der Streik nicht erfolgreich ist und bereitet im Hintergrund ein trojanisches Pferd vor, das in die Kabine eingeschleust werden soll.

Mit ver.di erarbeitet Lufthansa eine Übernahme der Tarifverhandlungen in der Lufthansa Kabine

Es gab bereits Treffen mit ehemaligen UFO-Funktionären, die auch Personalvertreter sind, und der ver.di-Spitze, bei der die stellvertretende Vorsitzende der ver.di, Christine Behle, offensiv zu einem Überlaufen zu ver.di geworben hat.

Lufthansa ist sogar bereit, der ver.di ein Willkommensgeschenk am Tariftisch zu machen.

Das sind keine Verschwörungstheorien, dieses Treffen und die Vorbereitungen für eine Tarifvereinbarung mit ver.di sind Realität. Fällt die Lufthansa-Kabine an ver.di, sind alle Dämme gebrochen und die Tarifführerschaft im gesamten Konzern liegt nicht mehr bei der uns, der Kabine.

Wie soll das konkret passieren?

Das verhasste Monitoring soll abgeschafft werden, der Fonds aufgelöst und an die Mitarbeiter ausgezahlt und für den von UFO gekündigten TV-SMK soll es auch eine Ablösung geben, um die SMK besser zu stellen.

Was wird damit bezweckt?

Ganz einfach: Auf das Monitoring kann Lufthansa gut verzichten, ohne auch nur einen Cent auszugeben. Bei korrekter Anwendung der Tarifverträge müsste LH ohnehin Geld an die Kabine auszahlen. Eine Anzeige gegen Lufthansa wegen der rechtswidrigen Anwendung des Monitorings ist bereits bei der Staatsanwaltschaft Köln unter dem Aktenzeichen 115 Js 557/19 anhängig. Mit der Abschaffung würde man zudem viel Druck aus dieser Anzeige nehmen. Das Geld aus dem Fonds ist vorhanden und soll nach dem Willen der UFO für Versorgungsnachteile verwendet werden. Eine Auszahlung kostet so keinen Cent, mindert aber die Mittel für die Versorgung. Das Nachsehen haben dann all jene, die auf die von LH versprochene Absicherung vertraut haben.
Der TV-SMK ist ohnehin gekündigt und es dürften nach dem Urteil vom 25.09. keine Kollegen mehr in den SMK eingestellt werden. Eine neue Lösung für Bestands-SMK muss ohnehin gefunden werden. Vielleicht wird auch noch ein weiteres Schmankerl draufgelegt um vom eigentlichen Ziel abzulenken.

Man verspricht sich davon, die UFO insgesamt vom Tariftisch zu kicken. Man erhofft sich eine Kabine, die der ver.di und der Lufthansa dankbar ist, dass diese Probleme “gelöst” sind. Ver.di übernimmt die Tarifführerschaft für alle Kabinen im Konzern und die Konzernspitze hat ihr Ziel erreicht, dass sie mit gezielten Falschinfos über die Vertretungsmacht der UFO und vielen Gerichtsverfahren gegen UFO und einzelne Funktionäre der UFO verfolgt.

In nahezu allen Airlines des Konzerns pirscht ver.di sich an. EW, GWI und CLH können ein Lied davon singen. Wenn der Gewerkschaftsputsch auch bei der größten Airline des Konzerns gelingt, brechen neue Zeiten für die Kabine herein.

Wer profitiert am Ende davon, wenn das klappt? Lufthansas Investition in eine zahme Tarifpartnerschaft wäre damit sehr gering. Zum Vergleich: In die VC-Streiks hat LH hunderte von Millionen gesteckt – der jetzige Weg wäre dagegen ein Schnäppchen. Lufthansa erhofft sich für die Kabine, künftig mit einer Gewerkschaft zu arbeiten, die keine nennenswerte Gegenwehr leistet und Tarifbedingungen wie am Boden mitträgt, die von Leiharbeit, Auslagerung, Befristungen und Tarifabsenkungen im großen Stil geprägt sind. Die Kollegen der LSG sind das beste Beispiel für die “langfristige” Tarifpolitik der Einheits-ver.di.

Wenn Lufthansa damit durchkommt, hat sie die Kabine als Schnäppchen geschossen.

Jeder Kabinenmitarbeiter kann und soll sich selbst aussuchen, von wem er vertreten werden möchte. Ob das UFO, ver.di, oder künftig eine ganz andere Gewerkschaft ist, bleibt einzig und alleine die Entscheidung jedes einzelnen Kabinenmitarbeiters und hat mit der jetzigen Situation oder gar den Arbeitskämpfen nichts zu tun, das muss auch LH einsehen.

UFO muss künftig wieder dafür werben, dass sie die richtige Wahl ist. Dann kann sich jeder freiwillig entscheiden, ob er das auch so sieht, oder ob er sich anderweitig vertreten lassen will. In den vergangenen Jahren hat die Kabine ganz bewusst nicht die ver.di als Tarifführer gewollt, obwohl es schon lange den unbändigen Wunsch der Arbeitgeber gibt, VC und UFO loszuwerden. Diese Form der Einmischung ist höchst unanständig und die eingesetzten Mittel von LH ebenso. Beim anstehenden Streik geht es aber nicht darum, sich für oder gegen eine Gewerkschaft zu entscheiden.

Für die kommenden Streiks hat Lufthansa bereits angekündigt, keine Flüge zu streichen, sondern die Kabinenmitarbeiter aktiv zum Streikbrechen aufzufordern und möglichst alle Flüge wie geplant in die Luft zu bekommen. Selbst Streikbrecherprämien werden im LAC diskutiert. Die Konzernleitung zockt mit den Reisen der Kunden und setzt die Kabinenmitarbeiter persönlich unter Druck. So sehr möchte man diese Auseinandersetzung gewinnen.

Wir haben auf der Roadshow die letzte Woche, und ganz besonders heute am Kiss & Fly in Frankfurt mitbekommen, wie schwierig Ihr auch die Drohungen der Lufthansa in Richtung “Konsequenzen gegen Mitarbeiter bei Streikteilnahme” findet und wie wichtig es ist, dass wir uns austauschen, um Euch die Verunsicherung nehmen zu können. Es ist neu und erschreckend, dass Lufthansa sich nicht nur mit der UFO streitet, sondern auf diese Weise nun auch ihre eigenen Mitarbeiter bedroht, falls diese von ihrem Grundrecht Gebrauch machen wollen. Wir haben entschieden auch in der kommenden Woche weitere Infotermine anzubieten. News dazu findet ihr nächste Woche auf www.ufo-online.aero/lhconcern

Viele von Euch haben uns in den letzten Tagen zurückgemeldet, dass es Euch darum geht, ob man sich dafür entscheidet, dem Arbeitgeber mit seiner derzeitigen Vorgehensweise durchkommen zu lassen, oder für sich selbst ein Stoppzeichen zu setzen und der Kabine das Recht zu sichern, ihre Tarifziele wieder am Tariftisch mit verbesserten Tarifverträgen zu erreichen.

Jede Airline hat ihre eigenen Themen und Tarifziele. Scheinbar lassen sich diese jedoch nur mit Arbeitskämpfen durchsetzen. Das löst nicht alle Probleme, aber für das zu kämpfen, was sich strittig erkämpfen lässt, lohnt sich.

Ob nach einem erfolgreichen Streik plötzlich wieder alles gut ist? Unwahrscheinlich – aber es ist ein wichtiger Schritt, dem Konzern zu zeigen, dass die Kabine sich nicht manipulieren lässt.

Ob ohne einen erfolgreichen Streik alles wieder gut wird? Ausgeschlossen - denn dann ist der Konzern seinem Ziel sehr nahe, Tarifverträge auszuhöhlen und so weiter zu machen wie in den letzten Monaten.

Du hast die Wahl, ob du fliegen gehst wenn Lufthansa nach Streikbrechern sucht. Oder zu Hause bleibst und die Flieger am Boden stehen.

Mehr Infos zum anstehenden Streik findest du auf www.ufo-online.aero/lhconcern

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