
Die Tarifkommission zur LH-PV-Wahl:
Die Dinge beim Namen nennen
Die Tarifkommission zur LH-PV-Wahl:
Die Dinge beim Namen nennen

Liebe Kolleg*innen,
die UFO‑Lufthansa‑Tarifkommission kann heute auf über fünf Jahre kontinuierlich erfolgreiche Tarifarbeit zurückblicken. Dazu zählt unter anderem:
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mehrere Einmalzahlungen im Zuge der vorzeitigen Ablösung des „TV Krise“
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die vollständige Abschaffung des früheren SMK‑Modells
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die Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3.000 €
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zwei TV Sommer
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eine neue, transparente Systematik der Ergebnisbeteiligung, auf die die Kabine erstmals direkten Einfluss hat – ohne Spielräume für ein nachträgliches „Kleinrechnen“
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einen neuen TV Teilzeit, der Teilzeitmodelle transparent, umfassend und ohne vorgegebene Befristungen(!) zugänglich macht
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sowie Vergütungserhöhungen von bis zu rund 34 % für die gesamte Kabine allein innerhalb von nicht mal den letzten vier Jahren. (Die jüngste Erhöhung von 3,5 % erfolgte jetzt im März dieses Jahres).
Diese Erfolge waren möglich, weil sich die Arbeitgeberseite bei jeder Verhandlungsrunde eingestehen musste, dass die Solidargemeinschaft UFO wieder deutlich an Stärke, Geschlossenheit und Rückhalt in der Belegschaft gewonnen hat.
Zusammenarbeit aller Arbeitnehmervertreter*innen – Anspruch und Wirklichkeit
Rückhalt innerhalb der LH-Personalvertretung (PV) gab es während der letzten Jahre hingegen wenig – das muss retrospektiv leider klar benannt werden. Außer von ein paar bekannten UFO-Personalvertreter*innen gab es kaum Unterstützung aus der PV während dieser Jahre fast ununterbrochener, teils komplexer Tarifverhandlungen. Die Gründe hierfür mögen vielfältig, oftmals auch sehr persönlicher Natur oder in einer ver.di-Mitgliedschaft begründet sein.
Managementvertreter*innen, aber auch einzelne, gewerkschaftlich nicht bei UFO beheimatete Arbeitnehmervertreter*innen zitieren oftmals eine sehr allgemein gehaltene Phrase, dass die Tarifpolitik "nichts mit der PV zu tun" habe. Reduziert man die PV-Arbeit auf Themengebiete wie tagesaktuelle Einsatzfragen, BEM-Betreuung oder die Begleitung zu disziplinarischen Gesprächen und Einzelfallbetreuungen, dann stimmt das auch. Sobald es jedoch um komplexere Themengebiete wie Urlaub, Teilzeit, Personalplanung, Förderperspektiven oder die Dienstplangestaltung geht, zeigt sich sehr deutlich: Eine isolierte, rein personen- oder ausschussbezogene PV‑Arbeit stößt schnell an ihre Grenzen. Gerade in Zeiten, in denen das Lufthansa‑Management offen einen härteren Kurs ankündigt, stellt sich die berechtigte Frage: Wie wirkungsvoll kann Interessenvertretung sein, wenn sie nicht eng mit der tarifierenden Gewerkschaft verzahnt ist?
Die Zeiten werden rauer – und Zusammenhalt wird entscheidend
Wir erleben derzeit eine spürbare Verhärtung der Sozialpartnerschaft. Unsere Erfahrungen aus der Tarifkommission zeigen: Je stärker das Management den Eindruck gewinnt, dass die Kabine zersplittert ist, desto konsequenter werden Maßnahmen des sogenannten „Turnaround“ einfach auf betrieblicher Ebene umgesetzt.
Die Auswirkungen sind bereits heute spürbar, etwa bei der Handhabung von Strichtagen und OFF‑Tagen, der Urlaubsvergabe und Steuerung des UVT oder bei Dienstplanänderungen per Anruf in der Freizeit.
Hier zeigt sich sehr deutlich: Mitbestimmung braucht Durchsetzungskraft. Mitbestimmung profitiert von der Rückendeckung der tarifierenden Gewerkschaft.
ver.di und ihre Rolle in der PV
ver.di tritt bei dieser PV‑Wahl nicht erkennbar als Gewerkschaft auf. Die einst stark beworbene „aircrew alliance“ spielt in der Lufthansa-Kabine keine sichtbare Rolle. Gleichzeitig wird von einzelnen, bekannten ver.di‑Mitgliedern betont, die Gewerkschaftszugehörigkeit sei für ihre individuelle PV‑Arbeit unerheblich.
Was dabei jedoch meistens unerwähnt bleibt:
Der zunehmende Druck auf die Lufthansa‑Kabine ist vor allem eine Folge davon, dass ver.di vor fast drei Jahren in einen tariflichen Unterbietungswettbewerb innerhalb des Konzerns eingestiegen ist – zunächst bei Discover Airlines, nun vermutlich auch bei der City Airlines. Zu diesen Entwicklungen hören wir von vielen „unabhängigen“ oder ver.di‑nahen Personalvertreter*innen kein klares Wort. Transparenz euch als Lufthansa-Kabine gegenüber sieht unserer Meinung nach anders aus.
Durchsetzungskraft entsteht durch klare Mehrheiten
Ein Blick über den lufthanseatischen Tellerrand zeigt, wie wirkungsvoll klare gewerkschaftliche Mehrheiten sein können: Bei Audi zum Beispiel besteht der neu gewählte Betriebsrat zu 82,9 % aus Mitgliedern der IG Metall. Dieses deutliche Mandat ist ein starkes Zeichen des Zusammenhalts – und ein klares Signal an den Arbeitgeber.
Übertragen auf die Lufthansa bedeutet das: Für das Management wäre es äußerst vorteilhaft, wenn in der zukünftigen Personalvertretung nur wenige UFO‑Personalvertreter*innen säßen – und möglichst viele andere, die entweder bei ver.di organisiert sind oder gar keiner Gewerkschaft angehören. Eine stark fragmentierte PV braucht länger, um sich überhaupt in ihren Arbeitsabläufen zu organisieren. Sie braucht lange, um nachhaltige Positionen zu entwickeln und zu verfolgen. Umgekehrt gilt ebenso klar:
Ein starkes Mandat für die PV‑UFO ist eine starke Aussage in Richtung Arbeitgeber.
Unsere Zielsetzung: Verlässliche Zusammenarbeit
Unser Ziel ist eine starke UFO‑Fraktion in der PV, die eng mit der Tarifkommission verzahnt ist. Zwei Ebenen, zwei Gremien – aber eine gemeinsame Richtung: Die bestmögliche Vertretung der Interessen der Kabine. Immer dann, wenn PV und UFO tatsächlich vertrauensvoll zusammenarbeiten, entstehen die besten Ergebnisse.
Vollmundige Wahlversprechen
In den kommenden Tagen landen die Briefwahlunterlagen bei euch allen in den Briefkästen. Neun Listen bewerben sich um 43 Mandate – ein besonderes Auszählverfahren der Stimmen (D´Hondt) verteilt diese 43 Mandate.
Einige der Listen werben mit ihren kandidierenden Persönlichkeiten und gleichzeitig mit großen, emotionalisierenden Themen, die eine Personalvertretung aber schlicht nicht erzwingen kann, darunter:
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der Einführung des Purser II super numeri auf allen Langstreckenfluggeräten,
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der Ernennung neuer Purser,
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einem zu erhöhenden Langstrecken-Crew-Complement,
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dem Erhalt der 2. örtlichen Nacht (ein reines Tarifthema),
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einer gesonderten “Entlohnung” für QFFB (ebenfalls ein Tarifthema)
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dem Schutz von Probezeitlern (ein arbeitsrechtlich geregeltes Thema)
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der Einführung einer Crew-Card, eines Well-Passes, eines Sachkostenzuschusses u.v.m.
Solche Versprechungen wie die hier aufgeführten – oder ähnliche – als in der PV hart durchsetzbar zu bezeichnen, ist leider schlicht: falsch.
Auch die “Performance deiner Rente” liegt außerhalb des Kontrollbereichs einer PV – diesbezügliche Versprechungen, die bewusst mit der Angst vor Altersarmut spielen, grenzen nicht nur an Wählertäuschung – das ist Wählertäuschung.
Daher unser Appell:
Prüft die vollmundigen Einzelversprechen auf ihre Machbarkeit hin, erinnert euch an Versprechungen vor letzten PV-Wahlen und fragt euch, was aus diesen geworden ist.
Fragt euch, wer Tarifverträge nicht nur verwaltet, sondern sie auch verhandelt und verteidigt.
Eine klare Entscheidung
Unter den neun Listen gibt es nur eine echte UFO‑Liste.
Nur eine Liste, bei der Zusammenarbeit auf Vertrauen, Ehrlichkeit und gemeinsamer Verantwortung basiert. Die Liste der Gewerkschaft, die ihr mit eurer Mitgliedschaft unterstützt.
Wenn ihr euch fragt, wie eure Interessen wirksam, geschlossen und nachhaltig vertreten werden können, dann ist die Antwort klar:
Gebt eure Stimme bei dieser PV‑Wahl der Liste 9: PV‑UFO.
Viele Grüße,
eure UFO-Lufthansa-Tarifkommission