Lufthansa City Airlines riskiert Sicherheit durch abgesenkte Sprachanforderungen für Kabinenpersonal
Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) reagiert mit großer Besorgnis auf die Aussagen von Peter Albers, Geschäftsführer von Lufthansa City Airlines. Er erklärte Anfang letzter Woche öffentlich, dass es möglich sei, Kabinenpersonal einzustellen, das kein Deutsch spricht. Die Gewerkschaft sieht darin nicht nur einen Bruch mit bewährten Sicherheitsstandards, sondern auch eine direkte Gefährdung der Sicherheit an Bord.
Joachim Vázquez Bürger, UFO-Vorstandsvorsitzender, kritisiert: „Im Rahmen eines fachlichen Austausches mit der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) in der vergangenen Woche herrschte zwischen EASA und UFO großes Einvernehmen in der Feststellung, dass eine einheitliche Sprache eine unverzichtbare Voraussetzung für die reibungslose Kommunikation an Bord darstellt, um in sicherheitsrelevanten Situationen als Team koordiniert und effizient handeln zu können. Es irritiert und besorgt uns sehr, dass uneingeschränkte Deutsch- und Englischkenntnisse bei einer in Deutschland zugelassenen Airline, die unter dem Markenauftritt der Lufthansa operiert, nicht mehr zwingend zur Einstellungsvoraussetzung für das Kabinenpersonal gehören sollen”.
Die UFO befürchtet, dass die hohen Qualifikationsanforderungen an das Kabinenpersonal der Lufthansa, auf die sich Passagiere bislang immer verlassen konnten, künftig bei Lufthansa City Airlines dem selbst auferlegten Kostendruck geopfert werden. „Das Kabinenpersonal von Lufthansa City Airlines spricht an Bord üblicherweise Deutsch. Wenn aber bei Neueinstellungen selbst einfache Deutschkenntnisse nicht mehr vorausgesetzt werden, im Auswahlprozess aber auch Abstriche bei Englischkenntnissen in Kauf genommen werden, weil das branchenübliche B2-Niveau nicht mit der notwendigen Stringenz abgeprüft wird, wirft das die Frage auf, in welcher Sprache sich die Kabinencrew künftig untereinander verständigen soll. Funktioniert die reibungslose Kommunikation auch in einem Notfall unter Stress? Als Fachgewerkschaft für das Kabinenpersonal in Deutschland sehen wir in mangelhaften Kenntnissen einer einheitlichen Sprache an Bord ein nicht unerhebliches Risiko”, so Vázquez Bürger weiter.
UFO sieht in der Absenkung von Eingangsqualifikationen einen klar erkennbaren Zusammenhang mit der Ankündigung von Konzernchef Carsten Spohr, Flugzeuge dorthin zu verschieben, wo sie am kostengünstigsten betrieben werden können. Vázquez Bürger meint: „Lufthansa City Airlines soll auf Gedeih und Verderb billig produzieren und wachsen. Offenbar versucht man, durch die Absenkung der Anforderungen den Mangel an qualifizierten Bewerber*innen zu kaschieren. Das ist ein besorgniserregender Trend. Wer die Einstiegshürden absenkt, senkt nicht nur die Kosten, sondern auch Qualität und Sicherheit. Die hohen Sicherheitsstandards in Deutschland und Europa dürfen dem globalen Wettbewerb um die höchsten operativen Margen nicht zum Opfer fallen.”
“Daher ist es nun an der Zeit, zügig in konstruktive Tarifverhandlungen einzusteigen. Attraktive, sichere, aber auch konkurrenzfähige Arbeitsbedingungen müssen das Ziel sein, damit Lufthansa City Airlines im Wettbewerb um gut ausgebildete Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt bestehen kann, ohne Abstriche bei der Sicherheit vornehmen zu müssen. Wir stehen für die Kabine jederzeit zu Verhandlungen bereit", erklärt Vázquez Bürger abschließend.