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Erste Infos zum

Tarif-Forderungspaket 2019

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Tarif-Forderungspaket 2019

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26.07.2019

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unser Forderungspaket hat 5 Schwerpunkte, zu denen in dieser Veröffentlichung die einzelnen Tarifforderungen kurz erläutert werden. Diese sind:

  • Vergütungstarifvertrag (VTV) 
  • Manteltarifvertrag (MTV) 
  • Restanten aus der Platzeck-Schlichtung 
  • Tarifvertrag SMK 
  • Förderung/Entwicklungsmöglichkeiten für Purser (in MTV und VTV)  


 
Warum veröffentlichen wir dieses Forderungspaket jetzt?

Eure Tarifkommission hat in den letzten Monaten stoisch ein passendes Tarifpaket erarbeitet, das sowohl aktuelle als auch seit langem "liegen gebliebene" Themen der Kabine lösen soll. Trotz der Funkstille zwischen UFO und Lufthansa am Tariftisch und den Auseinandersetzungen über die Vertretungsbefugnis ist es der Tarifkommission wichtig, ihre tariflichen Forderungen bereit zu haben, sodass wir schnell wieder in Verhandlungen eintreten und auf Lösungen hinarbeiten können.

In diesem Forderungspaket sind nicht alle Themen der Kabine enthalten. Das Forderungspaket muss vor allem den formalen Anforderungen an tarifliche Verhandlungsprozedere gerecht werden.

Einige der fliegerischen Alltagsthemen müssen somit bei einer Tarifforderung außen vor bleiben. Diese können nicht von einem Tarifforderungspaket abgedeckt werden, da es sich entweder um die oft zitierten "unternehmerische Entscheidungen" handelt oder aber um rein betriebliche Themen, auf die wir als Gewerkschaft keinen direkten Zugriff haben. Für diese Themen ist uns wichtig, dass es wieder einen vernünftigen Dialog zwischen UFO, dem Betriebspartner PV und dem Arbeitgeber gibt. Diese Themen sind also nicht vergessen, auch wenn sie in diesem Paket nicht auftauchen können. Trotzdem ist ein umfassendes Paket mit wichtigen Themen der Kabine geworden.

 

Die wichtigsten Punkte eines Friedenspakets

Die oben genannten fünf Blöcke dieser Tarifrunde sind der rote Faden unsere Friedenspakets. Es beinhaltet ebenfalls Punkte, die für unseren Tarifpartner Lufthansa wichtig sind, um eine gemeinsame wie friedliche Lösung zu ermöglichen. Sollte es nicht zu Tarifverhandlungen kommen, sondern zu einem späteren Zeitpunkt Arbeitskämpfe nötig werden, müssen wir dieses Friedenspaket zurückziehen und uns auf die Themen beschränken, welche im Wege eines Arbeitskampfes juristisch gesichert durchsetzbar sind. Dieses Forderungspaket mit den angedachten Lösungen gibt es dann nicht mehr in dieser Form, das muss auch der Lufthansa klar sein. 

Zur Zielsetzung der fünf Themenblöcke möchten wir Euch im Folgenden einen Überblick geben. Wer alle Forderungen im Einzelnen einsehen möchte, kann dies HIER tun.

 
Vergütungstarifvertrag (VTV)

Wir fordern eine Tabellenerhöhung von 5 % mit einer Laufzeit von 24 Monaten.

Zusätzlich fordern wir eine Erhöhung sämtlicher Zulagen und Zuschläge (Sprachzulage, Zuschlag zum Urlaubsgeld, Purserzulage) sowie eine Spesenerhöhung um insgesamt 10 Euro/Tag in zwei Schritten über die kommenden zwei Jahre. 

Außerdem müssen Flugbegleiter bereits im Lehrgang ein Anstellungsverhältnis und ein Gehalt von Lufthansa bekommen und damit auch zweifelsfrei der Mitbestimmung durch die PV unterliegen. Dies gilt für Neueinsteiger sowie für Wechsler von anderen Airlines (hierfür sind auch Konkretisierungen im TV-Qualifizierter Wechsel nötig).

Zudem fordern wir eine Prämie von 2.000 € für Bestandsmitarbeiter bei Abschluss des SMP. 

Zur besseren Gleichverteilung von Tagestouren fordern wir ab der 3. Tagestour/Monat eine Prämie von 35 €

In Folge der Zusammenführung der Rürup-Tabelle gibt es derzeit keinen finanziellen Unterschied bei Vergütungsstufe 7 und 8. Stufe 8 soll um 100 Euro erhöht werden.
 
 

Manteltarifvertrag (MTV) 

Regenerationsphasen / Pausen:

Die 2016 vereinbarte Regelung ist bis heute nicht umgesetzt, sodass wir hier die Abbildung gesetzlicher Regelungen des Arbeitszeitgesetzes fordern. Umläufe müssen so geplant werden, dass es ausreichend Zeit zur Erholung und Nahrungsaufnahme gibt. Geschieht dies nicht, muss es Kompensate geben. 

Wiedereinführung der 2. Nacht in Japan und Korea. Für regionalen Kollegen fordern wir eine Kompensation für die Zeit bis zur Wiedereinführung der 2. Nacht. 

Personalplanung:

Frankfurt und München sind ein Flugbetrieb. Deshalb fordern wir Regelungen zum Personalausgleich zwischen den beiden Stationen, wenn Lufthansa mal wieder Flugzeuge verschiebt und die eine Station zu wenig und die andere Station zu viele Mitarbeiter hat.

Streichung des SLF-Verfahrens. Das vom Sitzladefaktor abhängige Crewcomplement muss ersatzlos gestrichen werden. DH-Flüge auf Grund von zu wenig Passagieren darf es nicht mehr geben. 

Wegen der gestiegenen Belastung auf Kurzstrecke fordern wir die Wiedereinführung eines Kontfaktors von 1,2, leistungs- und bezahlungswirksam.

Zudem muss es noch klarere Regelungen zu Freistellungen gewerkschaftlicher Arbeit geben, damit wir in Zukunft vernünftig und rechtssicher arbeiten können.


 Restanten Schlichtung 2016

  • Hier eine Stichwortliste zu Forderungen, die sich noch auf die Schlichtung 2016 beziehen:
  • Wiedereinführung des gelben Ausweises bei DFU ab Alter 45
  • Wegfall des Tarifvertrags Konfliktbeilegung
  • Bezug der alten Rentenbausteine auch ohne Beantragung der gesetzlichen Rente ab Alter 63
  • Angebot aller Teilzeitmodelle im Zeitwertkonto (ZWK)
  • Vereinheitlichung von Wechselvereinbarungen aus anderen Betrieben bei Arbeitsplatzverlust (nicht monitoring-wirksam, keine Mitnahme von Seniorität)
  • Verbesserung des Tarifvertrags Personalvertretung (TV PV) mit weiterer Angleichung an Betriebsverfassungsgesetz

 

Neben diesen Punkten fordern wir Veränderungen und Nachbesserungen an den folgenden Vereinbarungen:

 

Monitoring: 

Korrektur von Fehlbeträgen durch die Nicht-Umsetzung des Q2-Papiers mit Bereederung der A330 durch GPII sowie den von LH zu verantwortenden Personalüberhang; sowohl für die Vergangenheit als auch für die Zukunft. Beides hat bereits viel Geld gekostet und wurde der Kabine unrechtmäßig angerechnet. Damit können aus diesen Managementfehlern auch keine "Strafmaßnahmen" im Monitoring abgeleitet werden.

Regelungen zur Sanktion des Arbeitgebers bei Nichteinhaltung von Vereinbarungen:

1. Entstandener Schaden muss arbeitgeberseitig ausgeglichen werden. 

2. Einzahlung der gleichen Summe in Ergebnisbeteiligung. (Beides beträfe heute schon den TV-Kapazitätsplanung, den TV-Teilzeit und die Regelungen zu JUMP.)

Einrichtung einer verbindlichen Schiedsstelle bei Streitigkeiten zum Monitoring. Diese entscheidet im Zweifel über das Ergebnis des Monitorings und den Umgang mit Überschüssen oder Minusbeträgen.

Mitarbeiterfonds: Streichung des Aktienfonds und Auszahlung der Gewinnbeteiligung zu 100 %. Unterstützungsfonds und der Ausgleichsfonds bleiben bestehen. Für umstellungsbedingte Nachteile in der Versorgung werden zunächst 20 Millionen zurückgestellt. Sollten diese wider Erwarten nicht ausreichen, so können nötige Beträge aus künftigen Gewinnbeteiligungen eingebracht werden, gleiches gilt für den Unterstützungsfonds. 

Teilzeit: Teilzeit soll künftig nach Seniorität und Saisonalität vergeben werden. Dabei werden zunächst allen Mitarbeitern alle Modelle angeboten. Dann wird beim Dienstältesten geprüft, ob es ein saisonaler Antrag ist. Wenn es kein saisonaler Antrag ist (z.B. Sommer frei oder M1), dann wird dieser zunächst abgelehnt oder eine eingegebene saisonale Alternative gewährt. Wenn im Laufe des Abarbeitens aller Anträge die betrieblich korrekt identifizierte Saisonalität ausgeglichen ist, werden die abgelehnten Anträge noch einmal der Seniorität nach abgearbeitet und nach Seniorität gewährt. Bei zu vielen Anträgen bekommen nur die Kollegen mit der höchsten Seniorität die nicht-saisonalen Teilzeiten. Damit ist der Tarifvertrag eingehalten und alle Mitarbeiter, auch die heutigen SMK, können aus dem gesamten Pool an Teilzeiten wählen.


 
SMK

Die Inhalte zum SMK sind eher schlank, denn wir fordern die Abschaffung des SMK. Dazu sollen weitere saisonale Modelle im MTV2 geschaffen werden, die auch ein Einkommen über einer Vollzeitstelle ermöglichen. 

Wegen zu geringer Stundenauslastung und ausgebliebenen Wechselmöglichkeiten fordern wir eine Sonderprämie in Höhe von 100 Euro je Beschäftigungsmonat im SMK, beginnend ab Januar 2017. Wer also von Anfang 2017 an dabei ist, würde (Stand jetzt) 3100 Euro erhalten. Im August kämen weitere 100 Euro hinzu, bis zu einem Wechsel in den MTV2.

Daneben fordern wir eine schnellstmögliche Überführung aller Bestands-SMK in den MTV. Bis dahin müssen unverzüglich alle Teilzeiten im SMK verlängert und die Quoten erhöht werden.
 
Purser-Entwicklung

Bei dem Thema Purser (geregelt im MTV) fordern wir die vollständige Einstellung des misslungenen Projekts Purserintegration, die "Funktionen" GP2 und der P2-TSI werden eingestampft. JUMP war seinerzeit eine richtige Idee, doch der Wildwuchs, den LH damit betrieben hat, beweist, dass dieses Thema rückabgewickelt werden muss. 

Stattdessen fordern wir die Einführung eines Purser-Laufbahnmodells, an dessen Ende der Langstreckenpurser super numeri steht. Wer auf Langstrecke verantwortlicher Purser ist, hat keine Serviceposition. PUNKT. 

Wer auf einem Flugzeugmuster verantwortlicher Purser ist, der bleibt es dort auch im Falle von Veränderungen im Kabinen-Layout oder Streckenverschiebungen und wird nicht durch "betriebliche Maßnahmen" irgendwann zum 2. Purser auf einem Flugzeug, auf dem er bereits verantwortlicher Purser ist.
 
Das Modell wollen wir Euch hier skizzieren:

Die Umsetzung des Stufen-Modells, die Überführung der Bestandsmitarbeiter (insbesondere der GP2), die Präzisierung von Lang- und Kurzstrecke, des life-long learnings und der Arbeitsrollen sind alles Themen, die noch im Laufe der Verhandlungen erarbeitet und der Mitgliedschaft gemeinsam mit allen weiteren Punkten zur Abstimmung gestellt werden.

  • Einführung eines 3-stufigen Purser-Modells 
    • 1. Stufe: heutiger P1
    • 2. Stufe: heutiger IK-P2 plus P1 Funktion auf Kurzstrecke
    • 3. Stufe: heutiger IK-P2
  • Keine beschriebene Servicerolle des IK-P2:
    P2-super-numeri bleibt in Zukunft erhalten. Es erfolgt keine Festschreibung von Teilserviceintegration. Statt einer Beschreibung im Tarifvertrag entscheidet der Purser an Bord in Abstimmung mit seiner Crew, welche Serviceschritte mit seiner Hilfe durchgeführt werden oder auch nicht, so wie es die meisten Purser heute ohnehin praktizieren.
  • Integration aller bestehenden Purser in das neue Modell, wobei keine "Herabstufungen" stattfinden. Auch heutige GP2 und P1 werden nach Seniorität in das drei Stufen-Modell überführt! 
     
  • Der Bedarf in der Stufe 3 wird über den Kurzstreckenanteil von Stufe 1 und 2 und die Fluktuation berechnet.
    Heißt beispielsweise: Wenn der KS-Anteil bei den Pursern der Stufe 1 und 2 unter die zu definierenden Grenzen rutscht, wenn diese z.B. im Schnitt weniger als 25 % Kurzstreckenanteil haben, werden in Stufe 3 neue Stellen ausgeschrieben - so wird sichergestellt, dass es eine realistische Chance gibt in Stufe 3 zu kommen.  
  • Für die Purserwerdung gibt es nur eine EU (= Eignungsuntersuchung). Danach wird durch klar gegliederte "life-long-learning"- Prozesse, Flugstunden und Seniorität die Weiterentwicklung von Stufe 1 bis Stufe 3 gesteuert - unter Aspekten zeitgemäßer Personalführung (und nicht etwa nach intransparenten Vorgesetztenentscheidungen).
  • Gleiche Endstufe (= 27) für alle Purser 
  • Erhöhung der Purser-Zulagen: 800 Euro für Stufe 1; 1000 Euro für Stufe 2 und 3


 

Ist eine Friedenslösung mit LH möglich? 

Wenn Lufthansa dem Bekenntnis zur Tarifpartnerschaft keine Taten folgen lässt und nicht mit uns verhandelt, dann müssen wir uns auf Forderungen reduzieren, die im Wege des Arbeitskampfs durchsetzbar sind. Damit würden dann Kompromissangebote, die bereits in oben genanntem Paket enthalten sind, wegfallen. 
Wie steht Ihr zu den Forderungen des oben skizzierten Pakets im Einzelnen, welche Punkte sind Euch besonders wichtig, welche weniger und was denkt Ihr zu den einzelnen Themen? 

 

Wie geht es weiter?

Wie in einer Tarifpartnerschaft üblich, werden wir das erarbeitete Tarifforderungspaket zunächst an den Arbeitgeber übergeben. Die Tarifkommission wird sich auch weiterhin mit den bereits gestellten 8 Konfliktanzeigen (nach TV Konfliktbeilegung) beschäftigen und Euch – sollte es neue Stände geben – diese mitteilen.

Die von LH immer wieder in der Presse lancierte Frage der Vertretungsfähigkeit der UFO wird bald auch in einer für LH eindeutigen Art geklärt sein. Argumentativ oder gar in weiteren Veröffentlichungen werden wir uns bis zur Klärung auf dieses Narrativ der LH nicht weiter einlassen und uns somit nicht weiter an der Verhandlungsverweigerung von LH abarbeiten.
 
Andere Fragen, wie etwa die Drohung der Lufthansa ihre eigenen Mitarbeiter in einem Streikfalle zu belangen, werden rechtzeitig beantwortet – dann, wenn sie relevant sind. Im Moment planen wir Veranstaltungen bei UFO, Stände an den Stationen FRA und MUC sowie Hangouts zum nun vorgestellten Forderungspaket.

 

Erstellung eines FAQ

Hier könnt Ihr bereits jetzt Fragen stellen, die wir in FAQ zum Forderungspaket und zur weiteren Vorgehensweise beantworten werden. 

 

Hangouts

Möchtet Ihr Eure Fragen/Anregungen in einem Hangout behandelt haben, schickt diese an hangout@ufo-online.aero

 

Infostände in FRA und MUC

Wir werden bei Lufthansa Infostände beantragen. Für den Fall, dass uns diese wieder versagt werden, wird eine Info vor Ort sichergestellt. Gegebenenfalls stehen wir dann außerhalb des Betriebsgeländes für Euch bereit. 
 
 

Betriebliche Probleme

Uns interessieren auch die Themen von Euch, die in einem tariflichen Forderungspaket nicht auftauchen können. Sprecht uns auch darauf an. Selbst wenn etwas nicht tariflich gelöst werden kann, so ist es für uns doch unerlässlich, im Austausch mit der Personalvertretung und der Geschäftsleitung zu wissen, wo es ansonsten in Euren Augen ebenfalls dringenden Handlungsbedarf gibt. Natürlich stehen wir auch für alle Fragen rund um die UFO zur Verfügung. 
 
Uns allen bei UFO ist bewusst, dass viel Unsicherheit herrscht. UFO hat ihren Teil dazu beigetragen. Wir haben uns aber auch in den vergangenen Monaten - gerade mit der verstärkten TK - intensiv um die Vorbereitung der anstehenden Tarifrunde gekümmert. Wir möchten und werden mit Sacharbeit Vertrauen verdienen und vor allem der Kabine zeigen, dass sie das Zutrauen haben kann, sich wieder für ihre Bedürfnisse einzusetzen.
 
Viele Grüße

Eure TK

Foto unsplash.com
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