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Lufthansa

Purserintegration, Flugbegleiterabzug und Musterqualifikation unter 40 % -

Lufthansa's Rundumschlag gegen die Kabine

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Purserintegration, Flugbegleiterabzug und Musterqualifikation unter 40 % -

Lufthansa's Rundumschlag gegen die Kabine

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13.09.2019

Liebe Kolleginnen und Kollegen, 

Lufthansa hat große Veränderungen für unsere tägliche Arbeit und die Arbeitsbedingungen als Flugbegleiter im Ganzen kommuniziert. Mit dem neuen Interkont-Service und der ORE-Umsetzung wird einmal mehr gezeigt, wie es nicht geht. 

Änderungen des IK-Service auf A343 und A333 ab 1. Dezember = weiterer Flugbegleiterabzug 

Über den gesamten Sommer hinweg konnten wir im CRA diverse nebulöse Verlautbarungen der Geschäftsleitung zu Testflügen lesen, die einen neuen Service auf der Langstrecke betreffen. Einmal sollte der allseits beliebte Kombitrolley wieder eingeführt werden, dann mal wieder nicht. Eis als Zwischenservice sei der neue Hit. Der Geschäftsleitung geht es bei den Änderungen im Service nicht um eine Verbesserung des Angebots für unsere Gäste. Es geht einzig und allein um das Drehen an der Kostenschraube, indem dauerhaft ein Flugbegleiter gestrichen werden soll. Um das zu erreichen erleben wir das erste Mal in der Geschichte der Lufthansa eine Art Zweiklassengesellschaft innerhalb des Economy-Class-Produkts, je nachdem auf welchem Flugzeugmuster der Gast reist. Die Kabinenleitung will auf unserem Rücken ihren Teil des Kuchens abliefern, um den Sparphantasien der Konzernleitung und ihren eigenen Karrierewünschen nachzukommen. Die dabei angekündigte Anpassung des Service ist ein Witz. Weggefallene Auswahl ersetzt keinen Flugbegleiter, der auch bei allen Tätigkeiten außerhalb des Service dringend gebraucht wird. Angefangen bei Checklisten über Security Search bis hin zur Betreuung von Notfällen an Bord. Selbst die Purser können dann nicht mehr helfen, weil sie selbst im Service beschäftigt sind. Den Service in diesem Fall zu reduzieren, kann nicht funktionieren. Oder wie stellt sich die Kabinenleitung einen Essensservice vor, wenn auf einmal ein Medical zu betreuen ist und ein FB und der PUR damit beschäftigt sind, sodass gleich zwei Arbeitspositionen ersetzt werden müssen? Dafür haben wir uns dann wohl die Saunas gespart…  

Aktuelle Krankheitsquoten und innere Kündigungen scheinen noch nicht zu reichen, um dem Management verständlich zu machen, dass die Kabine nicht noch mehr ertragen kann. Die Zitrone ist längst ausgequetscht und ein „Danke“ wird es sicher nicht mehr richten. 

Wir müssen die Rolle des PII super-numeri auf allen Langstreckenmustern im MTV festschreiben, jede denkbare Handlungsoption muss für Lufthansa ausgeschlossen werden. Gute Dienstleistung und Sicherheit an Bord braucht entsprechende Führung und genügend Crew. Solche rein gewinngetriebenen Exzesse können wir offensichtlich nur am Tariftisch dauerhaft ausschließen. Denn leider konnte diese äußerst bedenkliche Entwicklung nicht auf der Betriebsebene durch die PV verhindert werden. Gibt es eine tarifliche Regelung hierzu, erledigen sich diese Diskussionen. Und dafür werden wir mit Euch gemeinsam kämpfen. 

ORE und Teilzeiten unter 40 % 

Am 11.09.19 konnten wir nun im CRA lesen, wie Lufthansa plant, die Ergebnisse der ORE (Operational Risk Evaluation) hinsichtlich Teilzeiten unter 40 % zum 01.01.2020 umzusetzen. Ja, die die Fliegerei ist in den letzten Jahren komplexer geworden und innerhalb der einzelnen Muster fliegen wir verschiedene Varianten eines einzelnen Flugzeugtyps. Mit rund 70 % Teilzeitfliegern ist die Veränderung dieser Bedingungen für die Kabine von entscheidender Bedeutung. Doch wieder einmal verfährt Lufthansa nach Gutsherrenart, wählt den für sich einfachsten Weg und reduziert die Muster für Teilzeitkollegen einseitig. Es gibt keine Mitsprache für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, welche Muster oder wenigstens ob Kurz- oder Langstrecke gewünscht ist. Wem es nicht passt, kann einfach in sein altes TZ-Modell zurück. Sowas nennt man dann wohl wertschätzenden Umgang mit der Kabine – friss oder stirb. 

Nur Teilzeitquoten zu betrachten greift zu kurz. Vielen P1 soll nur auf Grund einer zu geringen TZ-Quote die Langstrecke komplett genommen werden. Die Welt wird plötzlich sehr klein und eine vernünftige Vorbereitung zur P2-Werdung quasi unmöglich, ohne dass die Arbeitszeit erhöht wird. Wer zudem die letzten Jahre viel auf Kurzstrecke unterwegs war, weiß was das bedeutet: Verspätungschaos, instabile Pläne, eine OPS an der Belastungsgrenze ohne Pausen. Seit drei Jahren liegt eine verbindliche Pausenregelung im Kont-Bereich in den Händen von LH und PV. Leider konnte auch hier keine Lösung erzielt werden, sodass dieses Thema nun wohl abschließend tariflich durch uns geregelt werden muss. Inwiefern wir gegen die ORE-Umsetzung ebenfalls tariflich vorgehen können, werden wir prüfen und ggfs. umsetzen, sobald wir LH gemeinsam mit der Unterstützung der Kabine wieder an den Tariftisch gezwungen haben. 

Lufthansa muss dringend Geld in die Hand nehmen, um ihre IT und die Planungsabteilungen ins 21. Jahrhundert zu bringen. Mit einer richtigen Planungssteuerung könnte sehr wohl gewährleistet werden, dass jedes Crewmember ausreichend Erfahrung auf allen seinen Mustern hat. Das Mindeste wäre jedoch, bei der Umstellung einer jahrzehntelangen Regelung den Kolleginnen und Kollegen eine ordentliche Mitsprache zu geben. Es zeigt sich einmal mehr, dass die Verantwortung für die Kabine zuletzt kommt, und Probleme nur noch auf dem Rücken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgetragen werden. 

Diese Art der ORE-Umsetzung ist keine Vorgabe der Behörden, sondern ausschließlich eine LH-interne Entscheidung.  

Wir werden Lufthansa wohl leider gemeinsam zeigen müssen, was wir von ihren Entscheidungen halten. #unitedwestand 

Viele Grüße 

Eure UFO 

TK Lufthansa: Katharina Berndt (Sprecherin), Marco Todte (Sprecher), Thilo Deussen, Manuel Hegel, Daniel Kassa Mbuambi, Lukas Kimmel, Stefan Schwerthelm 

Tarifabteilung: Daniel Flohr (Tarifvorstand), Jan-Niklas Mehler (Tarifreferent) 

Bild von andreas160578 auf Pixabay
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