UFO - Unabhängige Flugbegleiter Organisation
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Lufthansa

Drohende Eskalation

bei Lufthansa

12.06.2015

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir haben in den vergangenen Jahren sowohl zur Versorgung als auch zu den anderen Themen der “Agenda-Kabine”, die vornehmlich durch den Konzernumbau entstanden sind, friedlich mit dem Lufthansa-Konzern verhandelt. Leider vergeblich wie sich heute zeigt!

Bisher haben wir Ergebnisse erreicht, die vornehmlich die Probleme der Lufthansa betreffen, wie etwa der neue TV zum Saisonalitätsmodell. Wir konnten für das Projekt JUMP! ein Ergebnis für die Kabine erreichen und umsetzen. Wir haben bisher in der Versorgung einen Systemwechsel auf ein von LH favorisiertes Beitragssystem mitgetragen, um die Rückstellungen in der Bilanz zu reduzieren.

Jedes Mal, wenn wieder neue Themen, wie die Entscheidung zur Eurowings dazu kamen, waren wir bereit auch darüber zu reden. Wir haben natürlich im Gegenzug Absicherungen für die Kabine verhandelt.

Gerade in den oben genannten beiden Beispielen hat LH jedoch ihre gemachten Zusagen nicht eingehalten.

Im Gegenteil, statt in der Passage zu wachsen, wird durch die Ankündigung, fehlende Piloten im Konzerntarifvertrag (KTV) nicht mehr zu ersetzen, sowohl in der Passage als auch in der Germanwings geschrumpft. Damit droht Kabinenpersonal abgebaut zu werden.

In der Versorgungsschlichtung hat LH die schriftlich gemachten Leistungszusagen, trotz Intervention der Schlichter nicht aufrecht erhalten. Man begründet dies mit der Wettbewerbssituation, die sich in den letzten Monaten seit der Unterschrift nochmals verschlechtert habe. Sich wegen einer veränderten Marktsituation, die wir ohnehin etwas anders einschätzen, einseitig nicht an beidseitig unterschriebene Verträge zu halten, ist keine Option.

Dies sind nur zwei Beispiele, die uns nun weitere Verhandlungen in der “Agenda-Kabine” und eine Fortführung der Schlichtung unmöglich gemacht haben.

Wir haben darauf am vergangenen Mittwoch, also vor 9 Tagen einen Brief an den LH-Vorstand geschrieben, in dem wir um ein Gespräch gebeten haben. Wir wollen in solch einem Gespräch nach wie vor ausloten, wo es gemeinsame Ansätze geben kann. Was hat der Konzern vor mit den Kabinenarbeitsplätzen?

Auf diesen Brief haben wir keine Antwort erhalten. Auch auf unsere Bemühungen in der Schlichtung  gab es gute Vorschläge beider Schlichter - LH hat allesamt rundweg ausgeschlagen.

Damit hat Lufthansa auch den Schlichtern ein weiteres Hinarbeiten auf eine für beide Seiten akzeptable Lösung faktisch unmöglich gemacht.

Wir sind nach wie vor der Meinung, dass man einen solchen Konzernumbau, der zwar in und wegen eines wirklich schwierigen Wettbewerbsumfeldes stattfindet,  jedoch nicht vergleichbar ist mit Sanierungsmaßnahmen von Konzernen, die konkret in finanziellen Schwierigkeiten stecken, nur gemeinsam hinbekommen kann. Aus diesem Grund haben wir uns, auch während andernorts bereits heftig gestreikt wurde, nicht davon anstecken lassen sondern haben diesen Weg weiter vorangetrieben.

Wenn jedoch bereits vertraglich vereinbarte Grundlagen nicht mehr eingehalten werden und die dafür Verantwortlichen jedes Gespräch verweigern, muss man einsehen, dass ein solcher gemeinsamer Weg, entgegen anderer Beteuerungen, nicht mehr gewünscht scheint.

Die Versorgungsschlichtung wurde bereits vergangenen Montag abgebrochen. Die Schlichter hatten daraufhin noch eine Nachfrist gesetzt. Innerhalb dieser Nachfrist hat Lufthansa gestern  eine „Zusatzforderung“ aufgestellt: Bereits für Bestandsmitarbeiter soll die Versorgung in Summe drastisch gekürzt werden. Eine Fortführung der Versorgung wird aber auch hier an weitere Forderungen geknüpft. Wir sollen uns als UFO verpflichten, in den kommenden drei Jahren die Kabinenstrukturen und Kosten auf ein deutlich geringeres Niveau abzusenken. Für diesen Zeitraum sollen wir an eine umfassende Friedenspflicht gebunden sein.
Diese Vorgehensweise ist weder materiell noch von der Art und Weise her verantwortbar.

Wir werden die Zeit von heute an bis zur Verkündung der Schlichtungsempfehlung am 20.06. nutzen, um weiterhin vom Konzern-Vorstand Gespräche zur Gesamtsituation einzufordern. Wir als UFO stehen für ernsthafte Gespräche mit dem Konzernvorstand jederzeit zur Verfügung.

Sollte sich bis zum 20.06 allerdings keine Veränderung einstellen, dann ist die Schlichtung auch formell beendet und wir müssen davon ausgehen, dass danach Arbeitskämpfe in der Kabine notwendig und eben auch jederzeit möglich sind. Diese werden frühestens am 24.06. beginnen.

Wir sind nicht daran interessiert, dass es so weit kommt. Wenn wir noch den Funken einer Möglichkeit zur Lösung der oben beschriebenen Situation im LH-Konzern sähen, würden wir diesen Weg nicht gehen und wir sind jederzeit in der Lage, diesen Weg auch zu verlassen, wenn sich der LH-Konzern in diesen Tagen verlässlich bewegt.

Gerade im Zuge der Aufarbeitung des Unglücks der GWI haben wir gesehen, dass die Mitarbeiter des Konzerns Enormes leisten können. Wir haben auch gehört, dass das Management gesagt hat, dass man jetzt schauen muss, wie man ohne weitere Eskalationen gemeinsam den Umbau hinbekommt. Gehört haben wir das, nur können wir leider gar nicht mehr erkennen, ob und wie solch ein anderer Weg umgesetzt werden soll.  Ganz im Gegenteil. Wir brauchen jedoch gemeinsame, positive Anstrengungen MIT der Geschäftsleitung. Die Energie und die Bereitschaft haben wir alle wieder einmal im Zuge des Unglücks bewiesen. Wir würden diese Energie gerne auch im Weiteren aufbringen. Es wäre sehr bedauerlich, auch für unsere Kunden, wenn diese Chance endgültig vertan würde und wir diese Energie in einem Kampf gegeneinander einbringen müssten.

Wir werden unsere Mitglieder und die Öffentlichkeit in den kommenden Tagen sehr intensiv über die bisherigen Fakten aufklären, damit jeder die Möglichkeit hat, sich über die derzeitige Situation ein eigenes Bild zu machen.

Über den Mitgliederbereich der UFO-Homepage, Newsletter sowie ggf. SMS-Versand werden wir alle nötigen Infos anbieten. 

Wer noch kein UFO-Mitglied ist, kann diese unter www.ufo-online.aero jederzeit online werden.
Wir appellieren ein weiteres Mal an den Lufthansa-Vorstand, mit uns in Gespräche einzutreten, um Lösungen zu finden, die kurzfristige Arbeitskämpfe noch verhindern können.

Betroffene Grüße, die gesamte Mannschaft der UFO

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