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Lufthansa

New Purser als Sündenfall:

Ein Alleingang ist unverzeihbar

12.10.2018

Liebe Kolleginnen und Kollegen, 

die Personalversammlung der Lufthansa-Kabine vom 9. Oktober 2018 offenbarte der anwesenden Geschäftsleitung die geschlossene Ablehnung des vorgestellten New-Purser-Modells als Teil des „attraktiven Angebots“. 

Die Geschäftsleitung präsentierte in ihrem Konzept einen noch sehr unausgereiften Vorschlag für ein neues Purser-Laufbahnmodell. Dieses beinhaltet zentral die Teilserviceintegration von Pursern bei gleichzeitigem Abzug eines Flugbegleiters auf den Mustern A330, A340 und A350, um die Kabine nach Sicht der Geschäftsleitung weiterhin konkurrenzfähig zu halten. Das angebrachte Argument, mit dieser Neustrukturierung auch die Wirtschaftlichkeit der Lufthansa in Zeiten weiterhin steigender Ölpreise zu fördern, wurde seitens der versammelten Belegschaft aber schnell als fadenscheiniger Vorwand für einen tiefgreifenden Systemwandel enttarnt. 

Lange Zeit haben sowohl UFO als auch die Personalvertretung in Verhandlungen mit der Geschäftsleitung versucht, schlechte Erfahrungen im Rahmen der JUMP-Einführung zu korrigieren und einen konstruktiven Kompromiss zu erreichen. Durch die Verweigerungshaltung der Geschäftsleitung, den Sorgen ihrer Belegschaft Rechnung zu tragen und Zugeständnisse zu machen, blieb keine weitere Option als die Verhandlungen zu beenden. Durch diese Entwicklung sind auch die Gespräche über ein neues Purser-Laufbahnmodell gescheitert, wie mit der Wortmeldung „New Purser ist tot“ in aller Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht wurde. 

Der Vorschlag der Geschäftsleitung ist zudem sehr bedauerlich, da mit dem Titel New Purser ein ursprünglich konstruktives, neues Laufbahnmodell der Personalvertretung unter Zustimmung der Gewerkschaft angedacht war, das keine Teilserviceintegration und Einschnitte in das Crew-Complement beabsichtigte. Dieses wurde missbräuchlich instrumentalisiert und zweckentfremdet! 

Erklärtes Ziel von Personalvertretung und UFO ist es nun, sich nicht nur auf dem Abwenden schlimmeren Übels auszuruhen, sondern auch die Rolle des P2-super-numeri zu erhalten und dauerhaft im MTV festzuschreiben. 

Insgesamt förderte die lebhafte Debatte einen deutlichen Dissens zwischen Geschäftsleitung und der Belegschaft zutage und belegte, dass der um sich greifenden Unsicherheit über die geplanten Änderungen kein zu Ende gedachtes Konzept gegenübersteht. Die seitens der Lufthansa gemachten Absichtserklärungen bestätigen vielmehr das bereits aus den zuletzt gescheiterten Tarifverhandlungen bekannte Bild: verschleierte Argumente über Gründe, säen von Unsicherheit sowie Desinformationen über die mittel- und langfristigen Folgen. Die Eigenwerbung der Geschäftsleitung, bei der freiwilligen Entscheidung für das künftige TSI-Modell eine Lockprämie von 150 Silberlingen mehr zu erhalten, stieß auf großes Unverständnis und ein zynisches Klatschen. 

Gegenüber der Personalversammlung zeigte die Geschäftsleitung ihr wahres Gesicht und verstärkt mit diesem Verhalten einen Bruch mit der Belegschaft. Zahlreiche Wortmeldungen der versammelten Kolleginnen und Kollegen untermauerten das tiefgreifende Misstrauen gegenüber den Plänen mit Blick auf schlechte Erfahrungen der Vergangenheit. Das New-Purser-Modell führt zu vielfältigen Problemen, darunter einer spürbaren Schlechterstellung der Purser, einer Überlastung der Flugbegleiter sowie durch Qualitätseinbußen zur Gefährdung des 5-Sterne-Status und dadurch einem wirtschaftlichen Schaden, der sich auf das Image der Lufthansa auswirken wird. Des Weiteren stimmen Personalvertretung und UFO darin überein, dass das Modell nicht nur aus tariflicher, sondern insbesondere auch auf betrieblicher Ebene sinnlos sein wird und nicht ordentlich umgesetzt werden kann. 

Die Personalversammlung verdeutlichte nicht nur, dass unter diesen Voraussetzungen und fehlender Zusagen über die individuellen Perspektiven das New-Purser-Modell keine Mehrheit finden wird, sondern auch, dass es richtig war und bleibt, der Lufthansa gewerkschaftsseitig in diesem Punkt keinen Millimeter nachzugeben. Veränderung kann nicht top-down angedroht und erzwungen werden. Nur gemeinsam mit der Belegschaft, der PV und der Gewerkschaft kann das in konstruktiven Gesprächen auf Augenhöhe erreicht werden. 

Auch die Personalvertretung sieht das New-Purser-Modell vor einem noch langen Weg und bescheinigt der Geschäftsleitung weiteren intensiven Gesprächsbedarf. Die Personalversammlung hat uns als UFO Euer Meinungsbild zum New-Purser-Modell verdeutlicht. Tarifkommission als auch UFO sind sich darin einig, sich gegen weitere Einschnitte rüsten zu wollen. 

Im Rahmen einer geplanten Kampagne werden wir gegen die Ausweitung der Teilserviceintegration und die damit verbundene Reduzierung des Crew-Complements sowie weitere tarifliche Streitpunkte wie den Missbrauch des SMK-Modells und die Missachtung der Schlichtungsumsetzung informieren. 

Erste allgemeine “UFO vor Ort”-Termine sind bereits am 18.10. und 26.10. von jeweils 6:30 Uhr bis 11:00 Uhr in FRA sowie am 22.11. in MUC (Zeit wird noch bekannt gegeben). Die Kolleginnen und Kollegen der Tarifabteilung freuen sich auf den Austausch mit Euch. 

Viele Grüße 

Eure UFO 

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