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Condor Vereinbarung bei Massenentlassungen

19.02.2019

Ja, es existiert eine Vereinbarung, wie in der Agenda Kabine angekündigt (siehe z.B. folgendes Video), die für den Fall von Massenentlassungen eine Auffanglösung für die Condor-Mitarbeiter regelt. Dieses Papier ist mittlerweile durch Journalisten veröffentlicht worden.  

Dies ist eine der Vereinbarungen der Agenda-Kabine und Teil der Schlichtung von Matthias Platzeck. Sie wurde ohne eigenen “Preis” verhandelt, ist weder ein Zusatzprotokoll noch eine Nebenabrede und hat keinerlei Abhängigkeit von anderen Verträgen. Die Befürchtung, dass es sich hier um eine geheime Zusatzvereinbarung handelt, die andere Papiere relativiert (in der UFO-Vergangenheit gab es dies bei der “Konzertierten Aktion”) trifft schlicht und einfach nicht zu.  

Warum und von wem wurde es verhandelt?   

Im oben verlinkten Video der damals u.a. verantwortlichen UFO-Vorstände Birgit Weinreich, Sylvia De la Cruz und Sascha Berger werden die Gründe dezidiert erläutert. Die kurze Fassung lautet: Die Stärkung der Eurowings bei gleichzeitiger Einführung von JUMP war ein Frontalangriff auf andere Ferienflieger. Dort wo wir Tarifpartner waren (leider nicht bei airberlin oder Germania - aber eben bei Condor) – sahen wir uns in der Pflicht, ein Minimum an Absicherung für die Kollegen zu vereinbaren, wenn wir den LH-Konzern bei dem Aufbau des touristischen Segments unterstützen.  
 

Verhandelt wurde der Sachverhalt nicht etwa von einigen wenigen, sondern sehr offen im Rahmen der Agenda Verhandlungen an denen insgesamt über dreißig Personen beteiligt waren, bestehend aus dem UFO-Vorstand, Hauptamtlichen sowie Mitgliedern sämtlicher UFO-Tarifkommissionen, begleitet von Matthias Platzeck und getragen vom gesamten Vorstand. 

Warum haben wir nicht kommentiert, nachdem die Presse darüber berichtete? 

Im Papier selbst ist geregelt, dass für den Fall, dass durch UFO diese Vereinbarung bekannt gemacht wird, diese ihre Wirkung verliert und die damit beabsichtigte Schutzwirkung für die Kollegen der Condor verfallen wäre. Wir haben natürlich mitbekommen, dass die Aufregung groß ist und es wäre für uns sehr viel leichter gewesen, die heutige Erklärung schon früher zu geben. In der Abwägung, ob wir uns selbst schützen und damit die Absicherung der Flugbegleiter aufgeben, war jedoch klar: Wir müssen es aushalten, dass wir dafür kritisiert werden, denn die getroffene Vereinbarung ist ein deutlich höheres Gut als das “Wohlbefinden” der Vorstände.  

Natürlich verstehen wir die Aufregung bei den Mitgliedern sehr gut. Wer wird nicht misstrauisch, wenn er von “Geheimpapieren” hört, vor allem, wenn er die UFO-Historie kennt. 

Eine vertrauliche Vereinbarung, die aus rein rechtlichen Gründen vertraulich bleiben musste – niemandem etwas wegnimmt und letztlich ehemalige Konzernangehörige vor dem Totalverlust schützt, sehen wir anders. 

Wir wünschen uns, dass ihr Euch die Details des Papiers, dass ja jetzt durch die Presse veröffentlicht wurde, die dort aufgeschriebenen Regelungen und unsere Beweggründe genau anschaut. Wir würden es jederzeit wieder tun und zwar selbstverständlich auch für Lufthanseaten. Wir wären froh, wenn ver.di etwas Ähnliches für die AB-Kollegen oder die betroffenen Bodenkollegen gemacht hätte.    

Was steht eigentlich in dem Papier?  

Für den Fall, dass die Condor auf Grund der unter anderem durch Jump und Eurowings verschärften Wettbewerbssituation mehr als hundert Mitarbeiter betriebsbedingt entlässt, werden diese bei Personalbedarf (!) unter beschränkter Anerkennung von Vorerfahrung vorrangig bei LH eingestellt.  

Das steht unter dem Vorbehalt, dass Lufthansa Stellen ausschreibt. NUR dann werden Condorianer eingestellt. 

Dies kann auch keine Auswirkungen auf etwaige Wechselmöglichkeiten für SMK-Kollegen haben, da deren Wechsel mit dem Einstellungsbedarf an sich überhaupt keine Wechselwirkungen hat, sondern ausschließlich mit dem Ausgleich der Saisonalität im vorhandenen Personalkörper.  

Was nehmen die Condorianer mit?  

Was viele Lufthansa Kollegen in der Diskussion sehr beschäftigt hat, ist das Thema Seniorität. In besagtem Papier ist eindeutig geregelt, dass ausschließlich die Konzernseniorität (siehe Handbuch Personal des Konzerns, relevant für ID Fliegen, Jubiläen), wie bei einem Boden-Bord-Wechsel oder anderen Wechselsituationen auch mitgenommen wird. Eine Mitnahme fliegerischer Seniorität ist explizit NICHT vereinbart.  
 
Für die Kollegen, die nach den obigen Kriterien eingestellt werden, gilt, dass sie als Flugbegleiter eingestellt werden. Wenn sie auch schon vor dem Verkauf der Condor 2006 Lufthansa-Konzernmitarbeiter waren, wird ihre Vorerfahrung bei der Eingruppierung in eine höhere Gehaltsstufe (maximal Stufe 8) berücksichtigt. Kollegen, die danach bei Condor angefangen haben, werden ebenfalls bevorzugt eingestellt, allerdings ganz regulär in die 1. Gehaltsstufe, da sie, anders als die bis 2006 Eingestellten nie Teil des LH-Konzerns waren. Um über die Stufe 8 zu steigern, müssen alle Mitarbeiter zunächst den SMP absolvieren.  

Was bedeutet diese Vereinbarung für die Lufthanseaten? 

In den letzten Tagen haben wir häufig die Sorge gelesen, dass bei der PUR Werdung oder beim Wechsel in den MTV für die heutigen SMKler eine Überholung passieren könnte. Dies ist ausgeschlossen, da keinerlei fliegerische Seniorität anerkannt wird. 

Die Lufthanseaten sind also an keiner Stelle durch diese Regelungen betroffen. 

Mittelbar hat es Auswirkungen auf die Personalkosten im Rahmen des Monitoring. Im Rahmen einer worst case Betrachtung reden wir hier von einer 0,1% Auswirkung auf die Gesamtkosten. Dies aber auch nur wenn alle Condorianer auf einmal kommen. Damit wäre die Condor aber auch ein Komplettausfall und hunderte Kollegen wären arbeitslos.  

Warum war die Vereinbarung “geheim”? 

Zum einen ist die Vereinbarung nicht Teil der Tarifverträge, da es sich dabei lediglich um eine einseitige Verpflichtung des Arbeitgebers handelt und sich aus ihr keine individuellen Ansprüche herleiten lassen.  

Zum anderen, und das ist der alles entscheidende Punkt, hat Lufthansa seinerzeit überzeugend dargelegt, dass es aus verschiedenen, insbesondere wettbewerbsrechtlichen Gründen ganz und gar unmöglich ist, ein solches Papier publik zu machen. Man stelle sich das Echo in Medien und Wirtschaft vor, wenn die Deutsche Lufthansa Vereinbarungen für den Fall trifft, dass die Condor zahlungsunfähig wird, während sie gleichzeitig massiv in deren Kerngeschäftsbereich vordringt. 

Wir erinnern uns alle, als der ehemalige Chef der Deutschen Bank öffentlich Zweifel an der Kreditwürdigkeit der Mediengruppe von Leo Kirch äußerte. Kurz darauf ging dieser wirklich pleite und die Deutsche Bank musste alleine wegen dieser Äußerung hunderte Millionen Strafe zahlen.   

Natürlich kommt diese Diskussion, in der ohnehin verständlicherweise viel Unruhe und Misstrauen, aufgrund der Gesamtsituation herrscht, zur Unzeit. Das ist ja auch nicht aus Versehen geschehen.  

Die damaligen Tarifkommissionen und der Vorstand sind gemeinsam für diese Entscheidung verantwortlich und haben diese nach bestem Wissen und Gewissen zu Gunsten von Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern geschlossen.  

Dies soll ein erster Aufschlag zu diesem Thema sein und wir werden weiter in den gewohnten Formaten für Fragen dazu und zu allen anderen Themen zur Verfügung stehen. Ihr könnt konkrete Rückmeldungen dazu auch an hangout@ufo-online.aero schicken, das nächste Hangout findet bereits am kommenden Montag, 25.2. um 14 Uhr statt.  

 

Viele Grüße,

Eure UFO

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