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Lufthansa

Lufthansa-Umfrage zum Rückkauf der 2. Nacht Japan und Korea und Gewinnbeteiligung

08.03.2019

Lufthansa lässt im Tarifstreit die Maske fallen

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, 

unser Frankfurter Kabinenchef Kai Duve hat uns eine dienstliche Mail geschrieben und bittet uns damit um ein “Ja” bei einer Abstimmung zum Brechen von Tarifverträgen. Teamleiter bombardieren uns mit vorkonfektionierten Werbemails und im CRA sowie im BG2 kommt keiner an den “Erweckungsbotschaften” der Lufthansa vorbei. 

All das stützt den Versuch, durch eine Ad-hoc-Abstimmung unter den Lufthansa-Mitarbeitern Gelder aus gültigen Tarifvereinbarungen anders zu verwenden, als dies verbindlich geregelt ist. 

Allerdings sagen sowohl Herr Duve als auch seine Kollegen im gleichen Atemzug, dass ihnen die Einhaltung von Tarifverträgen und die Sozialpartnerschaft wichtig sei. 

Ganz egal, was man von den zur Diskussion stehenden Tarifverträgen hält - fällt Euch auf, was hier passiert? Welches Spiel hier gespielt wird? 

Uns Fliegern wird jeden Tag gesagt, dass die Einhaltung von Regeln oberstes Gebot ist. Für den Arbeitgeber aber nicht (mehr)? Was kommt als Nächstes?  

Uns sind als Gewerkschaft Fehler passiert, die die aktuelle Situation begünstigt haben – dazu stehen wir auch und übernehmen die Verantwortung. Deswegen müssen wir diese auch korrigieren und eine tarifvertragliche Lösung finden. Daher haben wir Lufthansa wiederholt zu Verhandlungen aufgefordert.  

Auch Geschäftsleitungen machen Fehler – aber das, was nun mit der Umfrage beabsichtigt wird, ist das bewusste Brechen von Tarifverträgen mit einer undurchsichtigen Umfrage. Ist dies bloß ein weiterer Fehler oder steckt Kalkül dahinter? 

Niemand außer dieser Geschäftsleitung kündigt über Nacht an, eine aus Fehlern entstandene und für die Mitarbeiter überaus unangenehme Situation mit einem gezielten Vertragsbruch auf Eurem Rücken auszubügeln.  

Wenn Lufthansa trotzt des aktuellen Verhaltens ein ernsthaftes Interesse an Lösungen haben sollte, so sind wir verhandlungsbereit: Wir haben alleine acht Termine noch im März angeboten. 

Wir haben ein einfaches und konstruktives Angebot vorgelegt, mit dem unter anderem sowohl der Streit um die Gewinnbeteiligung als auch die 2. Nacht in Japan/Korea dauerhaft gelöst wäre. Allerdings anders als von Lufthansa gefordert und nun angeboten nicht zu 100 % von der Kabine bezahlt. 

In diesem Angebot haben wir die 2. örtliche Nacht zurückgefordert und hierfür angeboten, einen Teil des Mitarbeiterfonds aufzulösen. Große Teile des Fonds sollten allerdings unbedingt erhalten bleiben (u. a. zum Versorgungsausgleich). Gleichzeitig haben wir eine konstruktive Mitarbeit am new-purser-Konzept, eine für beide Seiten akzeptable Lösung für das diesjährige Monitoring und eine Ad-hoc-Lösung für die Neueinstellungen nach der erfolgten Kündigung des TV SMK und eine ebenso einfache Lösung für die befristeten Teilzeitmodelle angeboten. Insbesondere das Entgegenkommen bezüglich des Monitoringergebnisses fiel uns zugegeben sehr schwer, da Lufthansa an dieser Streitigkeit durch die Nichtumsetzung der A330-Bereederung und der durch den massiven Personalüberhang ersichtliche Missachtung des TV Kapazitätsplanung einen signifikanten Anteil trägt. Einigen unserer TK-Mitglieder ging dieses Angebot sogar in seinen Zugeständnissen an Lufthansa zu weit, mehrheitlich wurde es aber mit Blick auf unsere Verantwortung gegenüber der Kabine getragen. Lufthansa hat mit uns allerdings nicht einmal darüber verhandelt, sondern die Verhandlungen dazu unmittelbar abgebrochen.  

 

Wenn Lufthansa nicht verhandeln und sich nicht einmal an verbindliche Tarifverträge halten will, was ist dann ihr Ziel? 

Unserer Einschätzung nach will Lufthansa die derzeit, auch aufgrund unserer Fehler, bestehende Unsicherheit ausnutzen und ihren Willen gegenüber der Kabine durchzusetzen, ohne ihr selbst auch nur einen Millimeter Entgegenkommen für eigene Verfehlungen zuzugestehen, einen einzigen Cent auszugeben oder auch nur ein einziges der ungelösten Schlichtungsthemen anzugehen. Hierzu gehören unter anderem die nach wie vor unzureichende SMK-Auslastung und die fehlende Wechselmöglichkeit unter den MTV, der gelbe Ausweis, Pausen in den Dienstplänen, Arbeitszeitmitbestimmung, die Einrichtung des Mitarbeiterfonds, Teilzeitmodelle im Zeitwertkonto Beratung zur Rente und viele mehr - wir kommen insgesamt auf über 40 strittige Punkte.

Lufthansa sagt: Euer Votum entscheidet. Damit hat sie sogar Recht. Denn Euer Votum entscheidet nicht nur darüber, ob mit einem klaren Bruch des Tarifvertrages Gelder verschoben werden sollen (völlig ungeachtet dessen, dass dies rechtlich auch nicht geht) und die 2. Nacht in Japan/Korea etwas früher korrigiert wird. Euer Votum entscheidet auch, ob Ihr künftig lieber von der Lufthansa erpresst werden wollt oder ob wir gemeinsam Fehler korrigieren und wieder faire Verhandlungsergebnisse produzieren können. 

Wir haben eine sehr starke neue Tarifkommission, die sich sehr gerne mit all ihrer Energie und all ihrer Motivation mit den vor uns liegenden Themen auseinandersetzen möchte und die auch sehr kritisch in die Vergangenheit blickt. Der aber durch das drohende Votum der Geschäftsleitung eine faktische Entmachtung droht, wenn Lufthansa mit diesem Irrsinn durchkommen und so Kabine und ihre Vertreter spalten sollte.  

Überaus passend in der jetzigen Situation liest sich ein Kommentar eines Kollegen aus dem CRA, den wir hier gerne (mit seiner Zustimmung) zitieren: 

LUFTHANSA ENTDECKT BASISDEMOKRATIE 

Wir sollten es begrüßen das LH nun endlich die Basisdemokratie entdeckt hat! 

Des weiteren sollten wir LH auf der Personalversammlung am 11. März ermutigen diese Vorgehensweise fortzusetzen und weitere Basisdemokratische Abstimmungen einzuleiten.  

Dazu wäre anzumerken das u.a. folgende Themen noch zur Abstimmung gebracht werden sollten: 

1. PUR Integration Ja/Nein 

2. Flugbegleiterabzug Ja/Nein 

Wohlwissend das diese Aufzählung unendlich fortgeführt werden könnte, würde ich es erstmal dabei belassen, um die KollegInnen nicht mit ihrer neugewonnenen Möglichkeit nun wirklich über ihren eigenen Arbeitsplatz/Bedingungen selbst bestimmen zu können, zu überfordern. 

Selbstverständlich gehen wir davon aus, dass auch die Ergebnisse aus folgenden "Abstimmungen zu Kabinenrelevanten Themen" im Sinne der Mitarbeiter umgesetzt werden. 

Mit Basisdemokratischen Grüßen 

xxxxx  


 
Es handelt sich aber eben um keine Basisdemokratie, sondern um den klaren Versuch, die Kabine mit etwas zu ködern, was am Ende ihre gewählte Vertretung - unabhängig von Fehlern und Personen - auf Dauer aushebelt und Euch der Willkür des Managements aussetzt.  

Es werden von Lufthansa auch auf explizite Nachfrage in den Foren keine transparenten Zahlen veröffentlicht, aufgrund derer nachvollziehbar ersichtlich würde, wo und warum das Sparziel verfehlt wurde. Warum bloß? Weil der Wirtschaftsprüfer das angeführte Ergebnis so eben nicht darstellt und Lufthansa mit jeder richtigen Auskunft zugeben müsste, wie viele kostenrelevante Punkte sie selbst nicht umgesetzt und welche bedeutenden Fehler sie gemacht hat.

Wir haben heute bei Lufthansa Infostände beantragt, um Euch unsererseits über die Abstimmung zu informieren. Allerdings hat uns Lufthansa vorgestern schon mitteilen lassen, dass wir neuerdings keine Infoveranstaltungen auf dem Betriebsgelände mehr machen können, solange diese nicht mit mindestens sieben Tagen Vorlauf beantragt UND von Lufthansa genehmigt wurden. Dies ist sowohl eine neuerliche Konfrontation als auch erneut rechtlich unzulässig. Bis dieser Sachverhalt jedoch rechtlich geklärt sein wird, wird die Befragung längst beendet sein.  

Daher werden wir ab sofort in Frankfurt vor dem Kiss&Fly-Parkplatz informieren. Auch in MUC suchen wir nach Terminen und Möglichkeiten, Euch persönlich über die Befragung aufzuklären. Über die genauen Zeiten werden wir über die UFO-Homepage und die einschlägigen Facebook-Gruppen informieren. 

Erste Termine: Samstag und Sonntag, den 9. und 10. März von 9:00 bis 11:00 Uhr in Frankfurt vor dem Kiss&Fly-Parkplatz. 


 
Viele Grüße 
 
Eure LH-Tarifkommission, die UFO-Tarifabteilung und der UFO-Tarifvorstand 
 


INFOKASTEN +++ INFOKASTEN +++ INFOKASTEN +++ INFOKASTEN +++ INFOKASTEN 


Zum Fonds an sich:  
 
Der Fonds ist eine sogenannte gemeinsame Einrichtung der Tarifpartner. Das ist ein Konstrukt aus dem Tarifvertragsgesetz, mit dem man als Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter gemeinsam Dinge wie Versorgungskassen oder eben solch einen Fonds betreiben kann. Dieser Fonds besteht aus drei Töpfen. 

 

1. Gewinnbeteiligung 

Einmal ist dort zusätzliche Gewinnbeteiligung aus den vergangenen Jahren geparkt, die in Aktien angelegt werden soll. Daraus ergeben sich Dividendenzahlungen, Mitbestimmung bei Hauptversammlungen und für wirtschaftlich schlechte Jahre, mit wenig oder keiner Gewinnbeteiligung, die Möglichkeit dennoch eine gleichbleibende Ausschüttung zu gewährleisten. Diese Ausschüttung geht dann, wie alle anderen Fondsgelder, an alle Kabinenmitarbeiter zu gleichen Teilen - egal ob UFO-Mitglied oder nicht. Dafür ist der Löwenanteil des Fonds aus UFO-Sicht gedacht.  


 
2. Sondervermögen  

Dieses Sondervermögen ist nur dann nötig, wenn jemand so früh in die ÜV ausscheidet, dass durch Abzinsung und die Zielsetzung, dass die neue Versorgung eigentlich erst mit 56 “voll” ist, umstellungsbedingte Nachteile entstanden sind. Wenn nun sehr viele mit 55 ausscheiden, brauchen auch viele Kollegen dieses Geld. Wenn sehr viele erst mit 56 oder älter ausscheiden, dann brauchen wir sehr viel weniger davon. Übrig gebliebenes Geld wird dann ebenfalls an alle Kabinenmitarbeiter ausgeschüttet.  

 

3. Sozialfonds  

Der mit Abstand kleinste Teil des Fonds ist etwas, das viele andere Firmen auch haben. Wenn Kollegen in Not geraten, kann dieser Fonds auf Antrag und nach vorher festgelegten Regularien, einzelne Kollegen, Angehörige oder Kabinenprojekte unterstützen.  
 
Diese Gelder nun einfach von ihrem eigentlichen Zweck zu entfremden, heißt, dass diese Leistungen nicht, oder nicht mehr im vollen Umfang möglich wären. Jeder kann sich überlegen, ob er das einmal brauchen könnte, oder schon jetzt weiß, dass diese Leistungen ihm guttäten (Gewinnausschüttung in schlechten Zeiten, mehr Mitsprache bei Unternehmensentscheidungen, Unterstützung in Notlagen, Ausgleich versorgungsbedingter Nachteile) 
Und als allerletztes darf sich jeder fragen, warum LH unbedingt diesen Fonds loswerden möchte.  

 

INFOKASTEN +++ INFOKASTEN +++ INFOKASTEN +++ INFOKASTEN +++ INFOKASTEN 


 

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