
Halbzeit bei der Urabstimmung
Zwischenfazit, Fragen und ein Gesprächsangebot von LH zum „weiteren Vorgehen“
Halbzeit bei der Urabstimmung
Zwischenfazit, Fragen und ein Gesprächsangebot von LH zum „weiteren Vorgehen“

Liebe Kolleg*innen,
am Dienstag haben wir die Urabstimmung gestartet, nächsten Freitag endet sie. Wir halten daher heute für einen guten Zeitpunkt, um euch einen Zwischenstand zu geben und auf Fragen einzugehen, die ihr im bisherigen Verlauf auf allen denkbaren Kanälen an uns gerichtet habt.
Zunächst gibt es eine Handvoll Fragen, die in verschiedenen Abwandlungen regelmäßig auftauchen und zu denen wir gerne Stellung beziehen möchten.
- „Ist das nicht zu früh? Ihr habt doch noch gar nicht richtig miteinander gesprochen.“
Diesen Einwand verstehen wir gut. Sehr gut sogar. Säßen wir nicht selbst in den Verhandlungen, würden wir das womöglich ähnlich einschätzen. Denn wir sind große Fans davon, sich lange und ausgiebig mit Themen zu beschäftigen, vor allem dann, wenn sie komplex sind. Als wir 2022 den TV Krise ersatzlos gestrichen, den SMK abgeschafft und den MTV2a entwickelt haben, sind wir sicher um die 30 (!) Mal mit LH zusammengekommen, haben in die Nacht hineinverhandelt und uns tagelang im Hotel eingeschlossen. Vor dem VTV-Abschluss 2024 hatten wir ziemlich genau 20 Verhandlungstage, der TV-Teilzeit von 2025 liegt in einer ähnlichen Range. Streiks gab es in dieser gesamten Zeit nur einen einzigen. Gute Lösungen brauchen Zeit und Eskalation ist der letzte Schritt, das wissen wir und das leben wir auch so. Der Unterschied zu heute ist, dass LH und UFO bis letztes Jahr zumindest grob in die gleiche Richtung geguckt haben. Wir haben viel um Details gerungen, aber die Kabine ist in ihren Forderungen zumindest im Grundsatz erstgenommen worden. Das ist heute anders. LH gibt sich nach außen zugewandt und gesprächsbereit, will aber mit der Brechstange Bedingungen absenken. Wenn das Gegenüber konsequent auf einer Lösung besteht, die weit unter der eigenen Schmerzgrenze liegt, dann ergibt Verhandeln schlicht keinen Sinn. Und genau so ist das hier. Erschwerend kommt hinzu, dass man gleichzeitig offen und regelmäßig droht, aber das ist ein anderes Thema.
- Aber ist es nicht aufgrund externer Faktoren doch der falsche Zeitpunkt für eine Eskalation?
Der Zeitpunkt ist nicht ideal, das ist richtig. Zugleich haben wir uns wieder und wieder gefragt – was wäre ein wirklich guter Zeitpunkt? Kann es so etwas überhaupt geben. Wenn ja, wann wird dieser Zeitpunkt wohl das nächste Mal sein? Pandemien, Kriege, Vulkanausbrüche, Rezessionen, schlimme Staatsoberhäupter, Extremwetterereignisse, niedrige Marge, Schulferien – wenn wir auf den Zeitpunkt warten, an dem nichts gegen Arbeitskämpfe spricht, geht uns womöglich vorher das Kerosin aus. Das soll allerdings nicht davon ablenken, dass wir die Frage nach der konkreten Lage von Streiks sehr ernst nehmen und Dingen wie Evakuierungsflügen, Ferien oder auch strandenden und gestrandeten Kolleg*innen und vielen anderen Faktoren hohes Gewicht beimessen. Wir nehmen die Verantwortung, die mit Arbeitskämpfen einhergeht, sehr ernst. Das ist für uns selbstverständlich, aber aufgrund eurer Rückfragen möchten wir es dennoch einmal explizit aussprechen.
- Ich bin enttäuscht, dass ihr nichts für Kolleg*innen in Teilzeit fordert.
Diese Frage hat uns offen gestanden etwas überrascht, aber da sie recht häufig an uns herangetragen wurde, haben wir uns dennoch entschieden, sie hier zu beantworten. Der TV TZ ist im letzten Jahr abgeschlossen worden und besteht ungekündigt fort. Forderungen speziell für Teilzeitmodelle sind demnach gar nicht möglich. Allerdings werden die allgemeinen Einsatzbedingungen von TZ-Kolleg*innen ebenso wie jene von Vollzeitmitarbeitenden im MTV geregelt, soweit im TV TZ keine spezielleren Regelungen für die TZ-Kolleg*innen gelten. Verbesserungen im MTV gelten damit grundsätzlich für alle, auch für TZ-Kolleg*innen.
Schreiben der Lufthansa zum weiteren Vorgehen
LH hat uns angeschrieben und möchte mit uns über den Einsatz eines „neutralen Dritten“ und das weitere Vorgehen sprechen. So einem Gespräch werden wir uns natürlich nicht verweigern. Allerdings hält sich unser Optimismus in sehr engen Grenzen. Ein neutraler Dritter ergibt Sinn, wenn man sich über Details nicht einigen kann, sich „verrannt“ hat, womöglich aneinander vorbeiredet und es gar nicht bemerkt. Aber – um das Beispiel von oben aufzugreifen – wenn eisenhart an Lösungen weit unterhalb der Schmerzgrenze festgehalten wird, dann sieht die Sache anders aus. Auch hinsichtlich des weiteren Vorgehens müssen wir festhalten: Die Verhandlungen sind gescheitert! Das weitere Vorgehen liegt in einem solchen Fall in aller Regel in der Vorlage eines verhandlungsfähigen Angebots. Nichts destotrotz werden wir das Gesprächsangebot wie gesagt nicht ausschlagen, sondern einen Termin vereinbaren, um uns die Vorschläge der Lufthansa zu einem solchen Prozess anzuhören. Inhaltlich verhandeln werden wir aus den oben genannten Gründen nicht, denn die Verhandlungen sind und bleiben gescheitert. Um diese wieder aufzunehmen, bedarf es eines verhandlungsfähigen Angebots der LH zu unseren MTV-Forderungen.
Wir halten euch selbstverständlich informiert, wie es weitergeht. Bis dahin gilt ein weiteres Mal – stay tuned, stay united.
Eure UFO-Tarifabteilung



