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FUME Event Guide 12/2017

 

Definition:

Ein Fume Event ist eine akzidentelle Inhalation von Flugzeugkabinenluft, die von stark erhitzen Stoffen wie uU Triebwerksölen, Hydraulikölen, Enteisungsflüssigkeiten oder anderen möglichen Gefahrstoffen verunreinigt wurde. 

 

Briefing

Besprechen von Verfahren, Kommunikation und Eigenschutzmaßnahmen.

 

An Board

Geruchswahrnehmungen an Cockpit und an verantwortlichen Flugbegleiter melden. Soweit erforderlich Eigenschutzmaßnahmen analog Dangerous Goods Procedure einleiten, d.h.  Rauchschutzhauben aufsetzen.

 

Sofortmaßnahmen:

Weitere Exposition vermeiden. Erstversorgung: O2.

 

Dokumentation:

Eintrag ins Technische Logbuch. Cockpit und Kabine: jeweils airlinespezifische Dokumentation ausfüllen (Smell/Bad Air Report). Reports bleiben an Bord als Info für Mechaniker (copy/fotografieren). 

 

Arzt / Krankenhaus aufsuchen

Die ersten drei Urinproben asservieren (falls kein Urinbecher: kleine Wasserflaschen, Datum und Uhrzeit vermerken, kühlen).

Wegen des Arbeitsunfalls muss zunächst ein Durchgangsarzt aufgesucht werden. Wir empfehlen eine Arzt-Praxis, da Wartezeiten in der Notaufnahme eines Krankenhauses sehr lang sein können. Es sind ca. 3.500 D-Ärzte auf der Homepage der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung gelistet:

http://lviweb.dguv.de/faces/D?_adf.ctrl-state=1cur8sf4v2_3 

Die BG führt an ausgewählten Kliniken eine Falldatensammlung durch, bei der einige Stoffe in Blut-und Urinproben untersucht werden. Die Teilnahme ist freiwillig, die Ergebnisse sind nicht therapierelevant.  

Wichtig: Desinfektion des Hautareals darf vor der Blutentnahme nicht mit lösungsmittelhaltigen Desinfektionsmitteln erfolgen, sondern z.B. mit einer dreiprozentigen wässrigen Wasserstoffperoxidlösung (AMR 6.2); sofern nicht vorhanden bitte den Namen des Desinfektionsmittels notieren.

Symptome tauchen meist zeitverzögert auf, sie können sich über Tage und Wochen entwickeln. Dann Überweisung zu weiteren Untersuchungen zur Arbeitsmedizin/Toxikologie, Neurologie und Pneumologie (zur „besonderen“ Heilbehandlung gemäß §11 & §12 Abkommen Ärzte / Unfallversicherungsträger, nicht zur „allgemeinen" Heilbehandlung).

Vorzugsweise:

Priv.-Doz. Dr. med. Astrid Heutelbeck,
Ärztin für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin, Umweltmedizin und Allergologie,
Universitätsmedizin Göttingen,
Fume Ambulanz der Hautklinik
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen, Deutschland.
Fon:  +49 551-39-65047
E-Mail:aheutel@gwdg.de

 

Sofortige Auswirkungen können sein:

Schleimhautreizung, Kopfschmerzen, Bauchkrämpfe, Muskelschwäche, grippeähnliche Symptome, Störungen des Gleichgewichts und des Ganges, Erbrechen, Kribbeln/Taubheitsgefühl.

 

Großes ausgiebiges Standardlabor erstellen lassen:

  • Differentialblutbild, Nierenwerte, Leberwerte, Creatinkinase gesamt und Isoenzyme der CK bestimmen lassen, ggf. Werte je nach Symptombefund.
  • Blutgasanalyse mit CO-HbMet-Hb und O2-Sättigung am Tage des Events bestimmen lassen, da die Halbwertszeit von CO-Hb (kohlenmonoxidgesättigtes Hämoglobin) nur 245 Minuten beträgt (Rauchen beeinflusst die Werte!)
  • AChE (Acetyl-Cholin-Esterase) am Tage des Events bestimmen lassen. Von Vorteil ist ein unbelasteter Vergleichswert zur Beurteilung.

 

Sämtliche Symptome wie Herzrhythmusstörungen, Atemnot, neurologische Beschwerden usw. müssen untersucht und dokumentiert werden.

Zusätzlich zweimal 30 ml Blut (EDTA) in Röhrchen für klinische Chemie abnehmen lassen für weitere, spätere toxikologische Analysen (vorzugsweise in Göttingen) GEFROREN lagern. 3 Urinproben am ersten Tag, dann 5 Tage lang jeweils eine pro Tag asservieren, ebenfalls gefroren lagern. Sterile Urinbecher gibt es in Apotheken zu kaufen, ansonsten saubere, verschließbare Flaschen/Becher/Behältnisse benutzen. Urinproben und 2 Blutproben für spätere toxikologische Kontroll-Untersuchungen tiefgekühlt lagern. 

 

Langzeitauswirkungen von Neurotoxizität können sein:

Müdigkeit, Gedächtnis-, Konzentrations- und Sprachstörungen. Symptome müssen fortlaufend dokumentiert und medizinisch betreut werden. Ein Tagebuch mit Befundkopien sollte geführt werden. Bei Langzeitfolgen nach 30 Tagen: Test auf Small Fiber Neuropathy erstellen lassen. Testkit ist postalisch in Göttingen erhältlich, Adresse siehe oben. Wenn pneumologische Untersuchungen notwendig werden: Spiro Ergo, Lungen Ventilation, - Perfusion und -Diffusion (TLCO und TLNO). Bitte Pneumologische Praxis mit Carefusion-Geräten aufsuchen. 

 

Dokumentation

Gemäß EU-VO 996/2010 & 376/2014 ist die behördliche Meldung einer Störung notwendig. 

Jedes Crewmitglied ist für diese Meldung berechtigt und verantwortlich:

Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung
+49 531 3548-0, 
https://onl-meldung.bfu-web.de/onlmeldung/index.php

Das Online-Formular ausfüllen und durch ankreuzen von LBA und BFU sicherstellen, dass beide Behörden informiert werden.

 

Flight/Cosmic Report:

Möglichst zeitnah Flight/Cosmic Reports für den Flugbetrieb ausfüllen (falls Papierform: copy/fotografieren). Das Ereignis so detailliert wie möglich schildern.

 

Unfallanzeige:

Unfallreport ausfüllen und an Arbeitgeber, sowie PV und interne Arbeitssicherheit senden (in einigen Flugbetrieben online möglich).  Kopie machen oder abfotografieren.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet gemäß SGB 7 §193 die Unfallmeldung an die BG weiterzuleiten.

Wenn man nach einer Woche keine Bestätigung des Arbeitgebers bezügl. der Weiterleitung an die BG erhalten hat, bitte diese Bestätigung vom Arbeitgeber einfordern.

Sollte der Arbeitgeber nach Anfrage keine Bestätigung der Weiterleitung zugeschickt haben, bitte Info an PV und eigeninitiativ eine Kopie des Unfallreport an BG einreichen:

BG Verkehr
Hauptverwaltung Hamburg
Ottenser Hauptstraße 54
22765 Hamburg
Tel.: +49 40 325220-0
Fax: +49 40 325220-2699 
https://www.bg-verkehr.de/versicherung-leistungen/versicherte-taetigkeiten/verhalten-nach-einem-unfall

Meldung

des Vorfalls und Kopie der BFU/LBA-Meldung an die jeweilige Personalvertretung und die UFO:
smellevent@ufo-online.aero

 

Um den Smell Event Guide als druckfähige PDF zu erhalten, bitte auf das Bild klicken.

 
PDF: SMELL EVENT GUIDE ( Stand 12/2017 ) 

Anlässlich der Veröffentlichung der spektakulären Fume-Event-Guidelines der ICAO (International Civil Aviation Organisation) einerseits und der unveränderten Relativierung des Problems Kabinenluft durch die Industrie andererseits, hat Daniel Flohr, Sprecher der Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL), ein kurzes Interview geführt mit: 

Judith Anderson/AFA-CWA (Association of Flight Attendants, USA)
Sylvia Gassner/UFO (Sprecherin der AG Gesundheit und Mitglied DIN)  
Christiane Donath/EurECCA (European Cabin Crew Association)

Das Interview wurde der Einfachheit halber in Englisch geführt. Wir möchten das Interview im Originalton an Euch weitergeben.

 

Cabin Air - really harmless? 

by Daniel Flohr, Speaker of the German Union of Aviation Industry (Industriegewerkschaft Luftverkehr), 25th February 2016
Thanks to skype, I was able to talk to three committed trade union delegates representing many crewmembers worldwide regarding the topic of Cabin Air.

 

Daniel:

"Hello everybody, thanks for joining the interview. Let’s start right away. Sylvia, we heard last week in the German media about a published study of the university of Göttingen. Could you tell us a little more about that?“

 

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Foto pixabay

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
ein Thema beschäftigt uns alle zurzeit sehr: Fume-Events.

Wir haben über die Rückmeldung einiger Kollegen und über die teilweise hitzigen Diskussionen in verschiedenen Facebook-Gruppen gelernt, dass es Missverständnisse sowie Wissenslücken zu diesem Thema gibt und teilweise noch nicht klar ist, was von Seiten der Gewerkschaften – insbesondere Eurer zuständigen Berufsgewerkschaft UFO – hierzu bewegt wird. Im Folgenden werden wir ausführlich über den Stand der Dinge, Meilensteine aber auch immer noch bestehende Hindernisse und unsere Arbeit zu diesem Thema berichten.

Wir bitten allerdings um Verständnis, dass wir weder an dieser Stelle und schon gar nicht im öffentlichen Raum (z.B. Facebook) über Betroffene, laufende Rechtsfälle und einzelne Schicksale berichten können, um unser Engagement und unsere Arbeit im Bereich kontaminierte Kabinenluft zu verdeutlichen. Das ist neben dem Datenschutz und der Gefährdung von laufenden Verfahren für uns auch eine Frage des Respekts, vor denen, die sich mit der Bitte um Hilfe an uns gewendet haben. Außerdem gab es in der Vergangenheit wiederholt die Situation, dass Interna und Fehlinformationen nach außen, auch an Behörden, Geschäftsleitungen und Journalisten gelangt sind, welche diese zu unserem Nachteil verwendet haben.

Wem die Infos in diesem Newsletter nicht ausreichen, der darf sich gerne jederzeit an uns per Mail an smellevent@ufo-online.aero oder an unsere Geschäftsstelle telefonisch unter 06105 97 13 0 oder per E-Mail an info@ufo-online.aero wenden. Wir stellen dann den Kontakt mit den Kollegen der Gesundheits-AG und wenn erforderlich auch mit unseren Rechtsexperten her.

 

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Die Zwischenergebnisse der Universität Göttingen zum aerotoxischen Syndrom sind für die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) ein weiterer wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Anerkennung einer Berufskrankheit. Bisher wurde insbesondere von der Luftfahrtindustrie und den Airlines ein Zusammenhang zwischen kontaminierter Kabinenluft und Krankheitssymptomen größtenteils negiert. Inzwischen liegen zahlreiche Fälle vor, in welchen fliegendes Personal durch sogenannte Fume Events bis hin zur Berufsunfähigkeit erkrankt ist. Damit kommt eine neue Dynamik in dieses Thema, weil der Nachweis eines Zusammenhangs von Fume Events und Krankheitssymptomen endlich erbracht ist.

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Freier Eintritt für Airliner in MUC, FRA und DUS 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nachfolgenden Kino-Tipp für die Dokumentation "Ungefiltert eingeatmet" möchten wir Euch ans Herz legen: Viele Studien beschäftigen sich seit Jahren mit dem Phänomen der giftigen Dämpfe an Bord von Flugzeugen, doch die Industrie bestreitet größtenteils das Aerotoxische Syndrom.

Kabinenluft fast aller gängigen Flugzeugtypen stammt aus den Triebwerken. Dort wird komprimierte Luft abgezapft und ungefiltert in den Innenraum geleitet. Durch Leckagen können jedoch Öl-Bestandteile oder andere Chemikalien in die Flugzeugkabine eindringen.

Welcher Bestandteil des pyrolysierten Cocktails die gesundheitlichen Beschwerden auslöst, bedarf noch intensiver Untersuchungen und weiterer Studien.

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Ausgangssituation

Immer wieder ereignen sich Vorfälle, sog. „Fume-Events“, in Passagierflugzeugen, bei denen giftige Schadstoffe durch technische Defekte (häufig zu Zeitpunkten maximaler Belastung wie der Start- und Landephase und bei sogenannten „Lastwechseln“ der Triebwerke) in die Kabine gelangen. Unter bestimmten Voraussetzungen werden solche Ereignisse von unangenehmen Gerüchen begleitet, häufig sind sie jedoch überhaupt nicht wahrnehmbar. Bei den daraus resultierenden gesundheitlichen Schäden muss zwischen akuten und chronischen Symptomen unterschieden werden.

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Fume Event Guide

Wie verhalte ich mich bei einem Vorfall, bei dem ich möglicherweise kontaminierter Kabinenluft ausgesetzt bin? Der neu veröffentlichte UFO Fume Event Guide gibt Antworten und bietet einen Leitfaden vom Briefing bis zur ärztlichen Betreuung.

 

Überarbeitete Version

Fume-Guide Deutsch

Fume-Guide English 

 

Positionspapier der UFO Deutsch

UFO position paper english

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